Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Nachts im Regen. 11

ärgerlich die Frau;gib ihm endlich den Schlüſſel und mach das Fenſter zu!

Und ich ſollte keinen Verſuch machen, verſetzte heuchle⸗ riſch der Meiſter, während er ſeine Augen gen Himmel hob, dieſe kleine, zu drei Vierteln verlorene Seele durch gute Er mahnungen noch zu retten? Gottſchalk heißeſt du, fuhr er im Predigertone fort,Gott weiß nichts von dir, aber der Schalk ſitzt in deinem Herzen. Warum warſt du nicht in der Erbauungsſtunde für chriſtliche Lehrlinge, die wir gegründet? O nein, das paßt dir nicht! An ſo was zu denken haſt du nicht die Zeit; denn dein Kopf ſteckt voll von andern Din⸗ gen. Iſt's nicht ſo, Gottſchalk?

Ja, Meiſter.

Haſt du nicht heute wieder in die Rocktaſche Seiner Hoch⸗ ehren unſeres würdigen Herrn Pfarrers einen ſchmutzigen Theaterzettel geſteckt, zum Grauen dieſes frommen Mannes? Haſt du's nicht gethan?

Gewiß nicht, Meiſter, ich hab' es nicht gethan.

So hat es der Danziger gethan, aber du haſt darum gewußt, und der Hehler iſt wie der Stehler. Wer hat da⸗ gegen heut Abend meinen armen Ludolf gepufft?

Zacharias, ich ſage dir, mach das Fenſter zu!

Er hat ihn gepufft! fuhr der Meiſter, ins Zimmer ge⸗ wendet, heftiger fort.

Ja, Meiſter, aber er hat mich gekratzt.

Himmliſcher Vater! Er hat dich gekratzt, das harmloſe Kind? Na, warte morgen früh! Ich will dich bepuffen. Morgen

Kannſt du thun, was du willſt, rief ärgerlich die Frau;