Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
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Nachts im Regen. 9

Nun, da wird es der Gottſchalk ſein, der die neun Uhr verſäumt hat und nun herein will.

Das iſt wahr, hörte man den Meiſter in lauterem Tone ſprechen;das wird der gottloſe Bube ſein. Wo iſt mein Ellen⸗ maß? Na, ich werde dir helfen, in ſpäter Nacht die Leute durch Klopfen an die Fenſter zu erſchrecken!

Soll der arme Teufel vielleicht im Regenwetter draußen bleiben?

Jetzt hörte man drinnen einen Stuhl rücken, und gleich darauf erſchien der Kopf, dem die näſelnde Stimme gehörte, an dem Fenſter. Es war Meiſter Schwörer; und wenn dieſer würdige Schneidermeiſter, ſchwarz angezogen, mit wohlgekämm⸗ tem Haar und ſanſtem, niedergeſchlagenem Blick, nicht ſchön zu nennen war, ſo ſah er heute Abend in der weißen Nacht⸗ mütze und einer braungewürfelten Zitzjacke wie eine Vogelſcheuche aus, oder vielmehr genau wie einer jener Spielzeugmänner, die aus einem kleinen hölzernen Kaſten emporſchnellen. Ebenſo plötzlich fuhr er in die Höhe und machte auch eine ähnliche Wirkung des Schreckens auf den Knaben; denn als der Mei⸗ ſter drinnen ſo plötzlich auftauchte, fuhr der Lehrling draußen wie entſetzt zurück.

Richtig, er iſt's! ſagte die näſelnde Stimme;na, warte, gottloſe Kröte!

Wirf' ihm den Hausſchlüſſel hinaus und halte Frieden! ermahnte mürriſch die Frau, die augenſcheinlich in ihrem Bette lag; denn die ſonſt kräftige Stimme ſchien gedämpft durch Vorhänge und Kiſſen.

Meiſter Schwörer ſchien jedoch durchaus keine friedlichen Gedanken zu haben, obgleich ſeine Augen in ſtiller Freude leuchteten. Aber es war dieſelbe Freude, die wir in dem