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Nachts im Regen. 7
ſchloſſenen Hausthore wurde ein kleines Fenſter im Parterre⸗ ſtock mit einem Male erhellt.
Der Meiſter geht zu Bett, flüſterte der Knabe, wenn ich jetzt ans Fenſter klopfe, was kann er mir thun? Aufmachen muß er doch, und an der erſten Ohrfeige bin ich nicht geſtor⸗ ben.— Soll ich oder ſoll ich nicht?— Ja, ich will klopfen. Kann ich ihm doch die Wahrheit ſagen; denn es iſt nicht ge⸗ logen, daß ich zu Hauſe das kleine Kind habe wiegen müſſen, und wenn er mir nicht glaubt, daß man bei uns im oberſten Stock keine Uhr ſchlagen hört, ſo kann er hingehen und ſich davon überzeugen.— Ja, ich muß klopfen. Wer weiß, wann der Geſelle nach Hauſe kommt! Der ſcheint mir heut am Ende gar nicht kommen zu wollen, denn ſonſt müßt er ſchon lange da ſein.
Das kleine erhellte Fenſter war mit einem ſchweren Gitter verſehen, an deſſen Stäben ſich der Knabe mit einer Hand feſt hängte und alsdann mit der andern durch die Oeffnung fuhr, um an die Scheiben zu klopfen. Ehe er dies aber aus⸗ führen konnte, begann eine näſelnde, ſchnatternde Stimme im Zimmer ein geiſtliches Lied zu ſingen; ſo klang wenigſtens die Melodie, wenn man auch von den Worten nichts weiter ver⸗ ſtehen konnte, als zuweilen ein beſonders laut betontes, wie Zerknirſchung, Sünde, Durchbruch und Gnade.
Der Knabe zuckte die ausgeſtreckte Hand zurück, hängte ſich an das Gitter feſt, wobei die Spitzen ſeiner Füße auf der Steineinfaſſung des Hauſes ruhten. Es mochte zehn Minuten dauern, ehe das Lied drinnen beendigt war; dann räuſperte ſich die näſelnde Stimme, gerade als wenn ſie ſich zu einem neuen Geſang anſchicken wollte; doch kam es nicht dazu, denn man hörte nun eine andere Stimme, eine weibliche, ſagen:„Na,


