Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

Nachts im Regen. 5

nach Hauſe, oder der Wunſch, ſeiner harrenden Gattin vor die Augen treten zu können, bevor der Wächter die elfte Stunde gerufen.

Wenn ſolche Wanderer bei dem kleinen Buben vorüber⸗ gehen, ſo drückt ſich derſelbe in eine dunkle Ecke des Hauſes, um nicht erblickt zu werden, wogegen ſeine ſcharfen Kinderaugen die Vorübergehenden genau betrachten und viele derſelben er⸗ kennen.

Das iſt der Herr Kaufmann Schratter, ſagt er, der junge Herr Schratter. Er hat den neuen Radmantel um, den ich ihm geſtern gebracht. So ein Radmantel gibtwarm, ſetzt er fröſtelnd und ſeufzend hinzu. Da kommt auch der Herr Kanzleirath Schwarz. Vor acht Tagen neue Hoſen und Weſte. Auch nicht ſchlimm bei ſo kaltem Wetter. Ein wehmüthiges Lächeln zuckte um das runde Geſicht des kleinen Buben, wobei er den vergeblichen Verſuch machte, ſich hinter den Ohren zu kratzen, was aber der aufrechtſtehende naſſe Kragen nicht recht zuließ. Hätte ich nur einen kleinen Theil der warmen Kleider, die ich die Woche ſchon ausgetragen habe, da könnte ich es ſchon beſſer in dem garſtigen Regenwetter aushalten.

Bei dieſen Worten blickte er ſeufzend an dem Hauſe empor und drückte ſich in eine kleine Vertiefung der Mauer, wo ſich ein Prellſtein befand, auf den er ſich zitternd vor Froſt nie⸗ derließ.

Wenn ich nur einmal einen Rock fände, ſagte er nach einer Pauſe, der Niemand gehörte, und in dem Rocke eine Hand voll Geld, die auch keinen Herrn hätte! Da ginge ich zu der Mutter hin und ſagte ihr: Hier hab' ich einen großen Rock, daraus mach' ich einen für mich und einen für das Büb⸗ chen. Und hier hab' ich das Geld; das ſollſt du alles behal⸗