Nachts im Regen. 3
heute, iſt ſie eine der ſtillſten Stunden. Der ruhige Bürger befindet ſich zu Hauſe, die Theatervorſtellungen ſind beendigt, und was die Wirthshausbeſucher anbelangt, ſo ſitzen dieſe jetzt feſt hinter ihrem Schoppen und warten ruhig die elfte Stunde ab, ehe ſie ſeufzend ans Heimgehen denken. Herrſchaftliche Equipagen, Fiaker und Miethwagen ſind um dieſe Zeit eben⸗ falls nicht auf den Straßen, Geſellſchaften und Bälle haben
f ſind die Pferde in den Stall gezogen worden, und während ſie dort ihre Köpfe hängen laſſen und vielleicht trauernd an die ſpäte Nachtſtunde denken, wo ſie noch einmal in Regen und Wind hinaus müſſen,
um acht Uhr begonnen, darauf
ſitzen ihre Lenker und Bändiger in den verſchiedenen Kneipen, wohin ſie eine zarte Neigung treibt, die Anhänglichkeit an irgend einen guten Wein, an die rothe, bekannte Naſe des Wirthes, oder an die dicken Backen der Kellnerin.
Wenden wir unſere Schritte nach einer Straße, welche, ziemlich im Mittelpunkte der Stadt gelegen, viele Bier⸗ und Weinhäuſer verſchiedenen Ranges hat, Schenkſtuben der man⸗ nigfachſten Gattung, von der kleinen Kneipe an, die, aus einer einzigen ſchwarzgerauchten Stube beſtehend, verſteckt in einem Thorwege liegt, bis zum großen Geſellſchaftshauſe der höheren Bürgerklaſſe, welches wir dort oben ſehen und deſſen viele er⸗ leuchtete Fenſter freundlich durch die Nacht ſtrahlen.
Auch dieſe Straße ſcheint uns um die zehnte Stunde voll⸗ kommen menſchenleer zu ſein.— Doch nein. Wenn wir ſcharf ) dee vechten Seite hinblicken, ſo bemerken wir in der Mitte derſelben eine Menge alter Gebäude mit hohen Giebel⸗ dächern, deren Spitzen mit Wetterfahnen gekrönt ſind, welche
ſich kreiſchend herumdrehen. Vor einem dieſer Häuſer befindet ſich eine Gaslaterne, deren flackernder Schein daſſelbe zuweilen


