Teil eines Werkes 
2. Bd. (1870)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Fünfundzwanzigſtes Kapitel.

Es war ein kalter, aber trockener Novembertag, und ohne Zweck und Ziel ſtreifte er ein paar Stunden in der Stadt umher; Privatverhältniſſe abzuwickeln, wie Schmoller, hatte er nicht, auch brauchte er keine Schulden zu bezahlen oder ſeine Gläubiger auf die Zukunft zu vertröſten. Die einzigen Orte, die er abſichtlich aufſuchte, waren die Hallen des heiligen Au— guſtin, an denen er ſo zu ſagen, glücklicher Weiſe nur hart vorbeigeſtreift war, denn es war auch von den directen drei Tagen Mittelarreſt weiter keine Rede mehr geweſen, ſo wie ferner die Wohnung des Oberſten, die er ſich allerdings nur ſchüchtern aus der Entfernung betrachtete, ſich aber dabei leb⸗ haft des Morgens erinnernd, wo er von dem Brigade-Chef allerhöchſtſelbſt feſtgenemmen worden war; gern hätte er den guten alten Commandeur noch einmal geſehen, allerdings in nicht gar zu großer Nähe, und wurde ihm dieſes Glück auch gänzlich unverhofft, doch nicht gerade ſo, wie er es gewünſcht, zu Theil. Denn nachdem er das beſagte Haus mit der vor

demſelben auf und ab wandelnden Schildwache ſo wie die Fenſter des Ordonnanzzimmers, ſchaudernd in der Erinnerung, einen Augenblick betrachtet und dann um die nächſte Straßen⸗ ecke gebogen war, ſah er den verhängnißvollen weißen Feder⸗ buſch, keine drei Schritte entfernt, auf ſich zuwackeln und konnte nichts thun, als in der erſten beſten militäriſchen Haltung Front machen.

Faſt wäre der Oberſt an ihm vorbeigegangen; doch ſagte ihm ſein Begleiter, der Adjutant Lindenbaum, lächelnd ein paar Worte, worauf er ſtehen blieb und den jungen Mann mit einem majeſtätiſchen Blicke betrachtete und dann zu ſich heran

winkte.