242 Vierundzwanzigſtes Kapitel.
„Nun, und dann? Was willſt du mit dem: Und dann?“ „Dann haſt du ſie geſtern Abend nicht wieder geſehen?“
„Nein,“ erwiederte Erich mit Feſtigkeit,„ſonſt würde ich ja vielleicht wiſſen, daß ſie verletzt worden ſei!“ „Höre, Bürſchlein,“ gab Schmoller mit aufgehobenem Zeigfinger zur Antwort,„ich fange an zu glauben, daß ich mich in dir gewaltig geirrt habe und daß du ein arger Geſelle und ſchlechter Kamerad biſt; denn ſonſt würdeſt du keine ſolche Streiche machen und ſie nicht vor deinem beſten Freunde ver heimlichen wollen! Ich dachte mir ſchon geſtern Abend im Circus: dieſer Freiberg hat mehr Glück, als Ver— gnügen. Oder haſt du vielleicht Beides geſtern Abend ausgeſtanden? Schau um dich her,“ fuhr er mit komiſchem Pathos fort, „unſere Kerkerzelle füllt ſich mit dem zweifelhaften Scheine des herabſinkenden Abends.
Stern der dämmernden Nacht, Schön funkelſt du im Weſten.
Wie könnte es etwas Traulicheres geben, als jetzt eine ange⸗ nehme Erzählung deiner erlebten Abenteuer von geſtern Abend! Komm, wir wollen unſere Commißbetten beſteigen, und du er⸗ zählſt mir das, lullſt mich dadurch vielleicht in ſanften Schlum⸗ mer— willſt du?“
„Nein, Schmoller, das iſt mir unmöglich; ich wüßte
nichts, das intereſſant genug wäre, um dir zur Unterhaltung zu dienen.“
„Geh', du biſt ein Heuchler! Aber nichts deſto weniger werde ich mich aufs Bett legen, und wenn du dich irgendwie nützlich machen willſt, ſo trabe auf und ab, wenn der Kerker⸗ meiſter erſcheint, und ſage alsdann, ich hätte verdächtige Leib⸗


