Teil eines Werkes 
2. Bd. (1870)
Entstehung
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240 Vierundzwanzigſtes Kapitel.

Stein auszuhöhlen, warum ſolche Blicke nicht ein Mädchen⸗ herz?— Ja, aller Anfang iſt ſchwer, auch in dieſem garſtigen Unterſuchungsarreſt, und obgleich es erſt vier Uhr ſein kann, ſo iſt es mir gerade, als wären wir ſchon ein Jahr in dieſem verdammten Loche; auch fängt es ſchon an, dämmerig zu werden, und wie wir dieſen erſten langen Abend und dieſe erſte lange Nacht ohne Licht und Bücher herumbringen werden, davon habe ich noch keinen rechten Begriff. Morgen werden wir zur Abwechslung ein Verhör haben, und will ich dabei, wie ich mir vorgenommen, etwas wie Melancholie, wie Zer⸗ ſtreutheit, ja, wie Geiſtesabweſenheit heucheln, um wenigſtens Bücher und Licht herauszuſchlagen.— Ach, Erich,“ fuhr er nach einer Pauſe, tief aufathmend, fort,„dieſer Contraſt, ge ſtern und heute!“

„So warſt du in der That geſtern ſo glücklich?“

„O, über alle Beſchreibung! Bis die Kataſtrophe eintrat, bis ich entfliehen mußte, mit leichtſinniger Nichtachtung nach⸗ läſſig angebrachter Fleiſchhaken— ah, das ſchmerzt!“

„Wie, der Fleiſchhaken oder der Contraſt?“

„Dummer Kerl, der Contraſt! Aber von ſo etwas haſt du ja gar keine Idee, du, der ſich mit beſchränktem Horizonte, wie des Färbers Gaul im Ringe, herumtreibt!“

„Ja wohl, ja wohl!“ erwiederte Erich aufſeufzend.„Doch,“ ſagte er nach einer ziemlich langen Pauſe, während Schmoller ſchweigend hin und her geſchritten war,„glaubſt du wohl, daß unſer Kerkermeiſter mir eine Frage beantworten wird?“

„Danach ſie iſt,“ gab er mürriſch zur Antwort, ſagte aber gleich darauf, ſtehen bleibend, mit lebhafterem Ausdrucke:

„Deßhalb möchte ich ja gerade da drüben anbandeln, um nicht