Teil eines Werkes 
2. Bd. (1870)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Vierundzwanzigſtes Kapitel.

Das war der Inhalt der drei Briefe, welche der Graf Dagobert Seefeld, von den Jagden auf der Waldburg zurück⸗ kehrend, bei ſich getragen und beim Herabgleiten vom Fenſter der Ticzka verlor. Was mochte wohl das kleine, doppelt ver⸗ ſchloſſene Couvert enthalten, welches mit der ſchriftlichen Wei⸗ ſung bei den Briefen lag, es gut und ſicher zu deponiren? Hatte er ein Recht oder war nur ein halbwegs triftiger Ent⸗ ſchuldigungsgrund zu finden, wenn er dieſes Siegel erbrach? — Nein, gewiß nicht! Was konnte er auch zu finden hoffen? Gewiß wenig mehr und nicht viel Intereſſanteres, als den In⸗

halt der drei Schreiben.

Für Erich hatten die Briefe nur in ſo fern Intereſſe, als

er ſich freute, zu erfahren, daß die unangenehmen Streitigkeiten zwiſchen dem Grafen und dem Doctor Burbus beſeitigt, wobei er ſich nicht enthalten konnte, lächelnd darüber nachzudenken, wie ihm ſelbſt, wenn dieſes Verhältniß früher eingetreten wäre, dadurch allerdings eine unangenehme Nacht erſpart worden, er aber auch alsdann die Bekanntſchaft Kolma's nicht erneuert und nicht von dieſer erfahren, daß damals die kleine Blanda die eigentliche Urſache von ſeiner Befreiung geweſen war. Dadurch ſo wie auch durch das, was er aus den Briefen geleſen, trat ihm das Bild jenes kleinen, ernſten Mädchens wieder ſo deutlich vor die Seele, daß, wenn er jetzt ſeine Augen mit der Hand bedeckt, die nächtliche Scene auf dem Gemeindewaſen bei Zwingenberg, wo ſie ihm zum Abſchiede mit der Hand gewinkt, gerade ſo vor ihm erſchien, als ſei das geſtern Abend geweſen, ſtatt daß ſchon zwei Jahre darüber hingegangen waren. Und wo mochte ſich dieſes arme Geſchöpf jetzt befinden? Es war vielleicht zu Grunde gegangen, nachdem