Erich. Der h. Auguſtin und Schmoller. 231
Worten, welche ich über dieſelbe blonde Zigeunerin verſchwendet, erſehen, daß dieſes junge Weſen, ſo bizarr und lächerlich es ſich auch benahm, doch einen eigenthümlichen Eindruck auf mich hervorbrachte, und bitte deßhalb um Entſchuldigung, ſie hier erwähnt zu haben. Daß ſie Doctor Herbert aus Oppoſitions⸗ und Widerſpruchsgeiſt charmant fand, brauche ich wohl nicht hinzuzufügen; auch fand er ſie höchſt mittheilſam, er, wohl
der Einzige im ganzen Schloſſe, und verſicherte auch, ſie habe
eine reizende Stimme zum Singen. Letzteres bewies mir noch am deutlichſten, daß dieſer große Gelehrte bemüht war, ſich
über uns kleine, unwiſſende Leute luſtig zu machen, denn von 1 den Bedienten und der Kammerfrau Ihrer Erlaucht erfuhr 4 ich, daß ſich die Kleine vor ihm ebenſo ſchweigſam und finſter gezeigt und daß man von ihr nur höchſt ſelten einen ſingenden Ton gehört, und zwar ein melancholiſches Geſumme des be— kannten Liedes: Marlborough s'en va-t-en guerre.“
So war der weſentliche Inhalt des erſten Schreibens, welches ſich in dem Couvert befand. und nachdem Erich das⸗ ſelbe durchflogen, warf er verſtohlen einen Blick auf ſeinen Leidensgefährten, durch welchen er aber zu ſeiner Zufriedenheit
wahrnahm, daß ſich Schmoller auf eine allerdings etwas eigen⸗ 1
n thümliche Art mit Dingen zu beſchäftigen ſchien, welche außer⸗ 4 halb der gemeinſchaftlichen Kerkerſphäre lagen. Er hatte beide — Hände auf das Fenſterbrett geſtützt und blickte holdſelig lächelnd auf den Hof hinunter, blies zuweilen ſeine Backen auf, ſpitzte . auch wohl ſeinen Mund und ſchaute einige Mal mit einem ſehr affectirten Augenaufſchlage gen Himmel, wobei er alsdann
mit ſeiner rechten Hand gegen die linke Bruſt ſchlug, aber
Letzteres durchaus nicht mit dem Geſichtsausdrucke, als bereue


