230 Vierundzwanzigſtes Kapitel.
Schloſſe Mittheilungen zu machen, ein Befehl, der bei der be⸗ kannten Anhänglichkeit der Beamten und Dienerſchaft an die Perſon der Frau Gräfin aufs genaueſte erfüllt wurde. Daß Doctor Herbert dieſe Verheimlichung aufs eifrigſte befürwortete und betrieb, verſteht ſich von ſelbſt, und Euer Erlaucht können verſichert ſein, daß es mir keine kleine Mühe machte, nur ein paar Mal zu der Kranken gelaſſen zu werden. Ich fand in ihr eine junge Frau von vielleicht achtundzwanzig bis dreißig Jahren, mit Spuren großer Schönheit, natürlich verwiſcht durch ihren leidenden Zuſtand, dabei von einer Bildung, die wohl meine Verwunderung rechtfertigen konnte, ſie in einer Lebens⸗ ſtellung zu ſehen, die ſo gar nicht dazu paßte. Ob ſie in dieſer Richtung der Frau Gräfin oder dem Doctor Herbert Confi⸗ denzen gemacht, kann ich natürlicher Weiſe nicht ſagen; mir erzeigte ſie wahrlich kein Vertrauen, ja, meine Beſuche, ſo ſpär⸗ lich ſie auch waren, ſchienen ihr unangenehm zu ſein, ein Ge⸗ fühl, welches auch das kleine Mädchen gegen mich durchdrang, wobei es förmlich lächerlich war, welches Anſehen ſich dieſelbe unbedeutende Perſönlichkeit zu geben verſuchte— ja, ich hätte beinahe geſagt, gab. So wie ſie mich das Zimmer betreten ſah, und trotzdem ich in der That gerne gelacht hätte, ſo lag doch etwas in dem ſtrengen Ausdrucke dieſes eigenthümlichen Geſichtes, was mich unwillkürlich abhielt, ihr zuweilen ſpaß⸗ haft meine Meinung zu ſagen, wenn ſie, wie ſie zu thun pflegte, mitten im Zimmer ſtehend, mich anſtarrte, leicht mit dem Kopfe nickend, als theile ſie Gnaden aus, und dann mit ihren ernſten, faſt düſteren Blicken, ohne ein Wort zu reden, allen meinen Bewegungen folgte, bis ich wieder hinausgegangen war.
„Euer Erlaucht werden aus dieſen mehr als nothwendigen
———


