zte
Erich. Der h. Auguſtin und Schmoller. 225 „O, Liſette,“ ſeufzte er,„ohne dieſe unglücſelige Brieftaſche würde es genügen, dich unter Betheuerung meiner fordauernden treuen Liebe von meinem Aufenthalte in Kenntniß zu ſetzen!— Ja, lache nur, ich habe in der That ſchöne Gefühle für ſie gehegt:
Ich habe ſie geliebt und liebe ſie noch,
Und ſtürzte der Erdball zuſammen—“*
Er hatte den Kopf gegen den Fenſterrahmen geſtützt und ließ eine ziemliche Zeit vergehen, ehe er den Schluß jener Strophe von ſich gab:
Aus ſeinen Trümmern ſtiegen doch Hervor meiner Liebe Flammen!
Auch declamirte er nicht mit der Innigkeit im Ausdrucke, wie es wohl jene feurigen Worte verdienen; ja, er trennte das Wort Flammen ſo auffallend von einander, daß Erich, auf⸗ merkſam geworden, ſich nicht enthalten konnte, nach ihm hinzuſchauen, worauf er alsdann bemerkte, daß der Bombar⸗ dier, am Fenſter ſtehend, einen ſüß lächelnden Blick mit ſchmachtendem Augen⸗-Aufſchlage in den kleinen Gefängnißhof hinabwarf.
„Und geſetzt auch,“ fuhr Erich fort, nachdem er ſich wieder auf ſein Bett ausgedehnt,„du hätteſt noch volle Berechtigung, ſie von deiner Kerkerhaft in Kenntniß zu ſetzen, wie wollteſt dur das zuwege bringen?“
„O, es gibt überall fühlende Herzen,“ antwortete Schmoller mit weichem Tone,„und gute Weſen, die jedes armen Gefangenen Unglück zu lindern vermögen!— Doch horch, die Riegel unſeres Kerkers klirren, es wird unſer Mittageſſen ſein.“
Hackländer, Der letzte Bombardier. II. 15


