Teil eines Werkes 
2. Bd. (1870)
Entstehung
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Erich kommt ins Unglück. 209

mich ehrlich und offen an, wie ehedem, Sie ſehen ſo gut und

unſchuldig aus, wie damals— deßhalb ſeien Sie mir herzlich willkommen!“— Sie reichte ihm ihre beiden Hände, und er fühlte den leiſen Druck derſelben.—„Wie danke ich dem an

ſich recht unangenehmen Vorfalle, der Sie endlich zu mir ge— führt! Wiſſen Sie, geführt! Wiſſen Sie, Erich, daß es recht ſchlecht von Ihnen iſt, eine gute Freundin, wie ich Ihnen ſtets war, nicht ſchon lange aufgeſucht zu haben? Oder hätten Sie nicht gewußt, daß wir ſchon ſeit einem halben Jahre hier ſind?“

„Darauf kann ich Ihnen mein Ehrenwort geben, gewiß, ich hatte keine Ahnung davon! Werden wir doch in unſerer Schule faſt wie Gefangene gehalten und kommen mit der Welt, die außer unſerer militäriſchen Sphäre liegt, ſo gut wie in gar keine Berührung!“

„Sonſt hätten Sie mich aufgeſucht? O, gewiß, Sie hätten das gethan, Sie hätten Selma nicht vergeſſen, die ſtets ſo freundlich für Sie war, bis zu jener Zeit, wo“— ſie hob halb drohend ihren Zeigefinger empor—,„wo Sie ſich aus einem ſchüchternen Schulamtsgehülfen ſo plötzlich in einen Be⸗ gleiter hübſcher Zigeunermädchen verwandelten! O, Erich, wie Sie uns Alle, und beſonders mich getäuſcht haben! Doch genug davon, reden wir nicht mehr darüber, ſondern beſchäf⸗ tigen wir uns, freundſchaftlich plaudernd, mit der Gegenwart. Und nun kommen Sie und ſetzen ſich zu mir.“

Da ſaß er denn nun wirklich in dem Fauteuil, wie er vorhin geträumt, ja, behaglich ausgeſtreckt, ſo hatte es Selma verlangt, wobei ſie ſchmeichelnd bat, ganz ſo zu thun wie damals, als ſie noch auf dem Sopha des elterlichen Hauſes Hackländer, Der letzte Bombardier. II. 14