210 Dreiundzwanzigſtes Kapitel.
geſeſſen, ein paar harmloſe, unſchuldige Kinder— damals, ehe er jene düſter blickende Zigeunerin kennen gelernt. Doch wir wollen nicht mehr darüber reden, obgleich ich dieſes Mädchen gehaßt habe, ſo ſchön ſie auch war. Das liegt aber alles weit hinter uns, nicht wahr, Erich? Sie verzeihen, wenn ich Sie von meinem Vaterhauſe her noch ſo nenne— ach, es waren doch ſchöne Zeiten!“
Während die ſchöne Frau ſo plauderte, beſchäftigte ſie ſich mit ihrer Kaffeemaſchine, nicht ohne dabei Erich häufig mit ihren blitzenden Augen anzuſchauen und nicht ohne ihrer Freude dieſes Wiederſehens und des Anſchauens dadurch noch einen größeren Ausdruck zu verleihen, daß ſie ihn heiter anlächelte, ja, daß ſie ihre feine Hand auf ſein krauſes Haar legte und ihm dabei verſicherte, daſſelbe ſei noch viel ſtärker geworden als früher.
Dann ſchob ſie die Taſſe vor ihn hin und ſetzte ſich in die Ecke des Sopha's, ihm ſo nahe als möglich.„Und nun wollen wir plaudern.“
Auch der zweite Theil ſeines Traumes war erfüllt, und er ließ ſich nicht lange nöthigen, das ſüße, duftige Getränk zu ſchlürfen und von dem guten Backwerke zu eſſen. Hatte er doch Hunger und Durſt und fühlte ſich ſo angenehm durch⸗ wärmt nach dem Genuſſe des heißen Kaffees! Dann erzählte ſie von ihrem vergangenen Leben, wie ſie den ihr von den Eltern beſtimmten, ja, aufgezwungenen Bräutigam nach vielem Widerſtreben endlich doch geheirathet, wie ſie weder glücklich noch unglücklich geworden, wie ſie mit ihm in einer Mittel⸗ wegsehe lebe, dergleichen es Tauſende in dieſer traurigen Welt gäbe— was Erich indeſſen nicht ganz zu verſtehen ſchien—,


