206 Dreiundzwanzigſtes Kapitel.
Madame ſich beeilen wird, den Herrn heraufkommen zu laſſen. Wen ſoll ich alſo anmelden?“
„Sagen Sie meinetwegen, einen Freund Ihres Schmoller's.“
„Mei- nes Schmoller's? O, ich bitte, das hat nach dem, was ich durch die Brieftaſche erfahren, ſehr aufgehört!“
„Nun, ſo ſagen ſie meinetwegen: ein Brigadeſchüler Namens Freiberg wünſche die Frau des Hauſes zu ſprechen.“
„Ah, ein Herr Brigadeſchüler! Nun, ich will es ver⸗ ſuchen, weil Sie ſo manierlich ſind und ſo anſtändig aus⸗ ſehen.“
Nach dieſen Worten hüpſfte ſie coquet, mit ſchwänzelnder Bewegung ihrer Röcke die Treppe hinauf, blieb auch nicht lange aus und rief ihm ſchon von der Treppe entgegen:„Die Madame will Sie wahrhaftig ſehen; ach, Herr Brigadeſchüler, wenn es Ihnen gelingt, den Säbel Ihres Freundes zurück zu erhalten, ſo bereuen Sie ein gutes Wort für mich nicht, ſagen Sie meinetwegen: dieſer Schmoller ſei ein eben ſo an⸗ ſtändiger Menſch und habe die ehrlichſten Abſichten.“
„Trotz der Brieſtaſche? Nun, ich will ſehen, was ich thun kann.“
„So— bitte— treten Sie hier herein und gedulden Sie ſich nur einen Augenblick. Madame iſt ein Bischen ſpät zu Bette gegangen und auch ein Bischen ſpät aufgeſtanden. Ach, Herr Brigadeſchüler, ich verlaſſe mich ganz auf Sie!“
Das hübſche Dienſtmädchen hielt bei dieſen Worten dem jungen Manne ſo herausfordernd die Hand entgegen, daß er nicht anders konnte, als dieſe ergreifen und ſie nochmals ſeines
beſten Willens zu verſichern.


