Erich kommt ins Unglück. 201
zur Beſorgung eines eigenen dringenden Geſchäftes— wer hätte auch die Dringlichkeit deſſelben nicht begreiflich gefunden? Wer, der um die Vorfälle des geſtrigen Abends gewußt? Ach wie oft war er während des kurzen Nachtſchlummers erwacht, hatte an die arme Ticzka gedacht und ſich halb träumend, halb wachend mit ihr beſchäftigt! Wie zitterte er bei dem Gedanken, wieder in das kleine Haus einzutreten, dort vielleicht bleiche, verſtörte Geſichter zu ſehen und den alten Marechal zu finden, der ihn hinaufführte in das Zimmer, wo die ſchöne Kolma— lag! Vielleicht aber auch, daß ihm der alte Mann mit glück— lichem Geſichtsausdrucke zuflüſterte:„Es geht beſſer, es geht gut, ſie hat ſchon mehrere Male nach Ihnen gefragt!“
So oder ſo. Darum mußte er Gewißheit haben und deßhalb verlangte er vorher eine kurze halbe Stunde für eine dringliche Dienſtangelegenheit.
Aber Erich hätte ebenſo gut einen Nero erweichen können, als den Bombardier Schmoller in dieſem Augenblicke; ſchon bei der einfachen Zumuthung hatte ſich alles in ihm emporge⸗ ſträubt, wie bei dem erzürnten Hahne, ja, er kollerte auch zor⸗ nig, wie dieſer, und ließ Erich bei irgend etwas Furchtbarem ſchwören, geraden Weges zu gehen, ſeinen Auſtrag auszuführen und geraden Weges wieder zurückzukehren.
„Wenn ich erſt meinen Säbel und meine Brieſtaſche wieder habe,“ hat Herr Schmoller geſagt,„dann wollen wir ſehen, was in deiner dringlichen Angelegenheit zu thun iſt.“
Wenn dieſer Gang auch Erich keine große Gemüthsbewe⸗ gung verurſachte, ſo war er doch an dem heutigen Morgen in Folge der geſtrigen Erlebniſſe ſo wie einer faſt ſchlafloſen Nacht
in einer aufgeregten, etwas gereizten Stimmung, leicht empfäng⸗


