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Geſellſchaftliche Verpflichtungen Schmollers. 193
„Auch nicht der Kanonier Freiberg?“
„Dummer Kerl,“ war die Antwort,„mir ſcheint, du haſt einmal wieder gehörig getrunken! Iſt der Freiberg nicht von dir ſelber in Arreſt gebracht worden? Geh' in dein Bett und ſchlaf' deinen Rauſch aus!“
Schmoller war in der heutigen Nacht ſo gedemüthigt, ja, ſo zerknirſcht, daß er ruhig zur Antwort gab:„Ja, darin haſt du eigentlich Recht, ich will auf mein Zimmer gehen.“
Auch zog er die Thür wieder ſanft ins Schloß, ging aber nicht auf ſein Zimmer, ſondern ſchlug ſich ingrimmig die beiden Fäuſte vor die Stirn, auf die Gefahr hin, ſich zu erkälten, und dann rannte er wieder zum Caſernenthore hinaus auf die finſtere Straße, wo er zornig auf und ab lief mit dem Gefühle eines jungen Kettenhundes, dem man den Schwanz abgehackt.
„Nein, dieſe Lehre, dieſe Lehre, Aehnliches ſoll mir noch einmal geſchehen! Da renn' ich herum in der kalten Nacht, wie ein beſoffenes Rindvieh, und könnte in meinem warmen Bette liegen; und mein Säbel und meine Brieftaſche, letztere mig Papieren, die eigentlich Niemand leſen ſollte, o, o— o! Und meine neue Hoſe, die mich drei Thaler und zwanzig Silber⸗ groſchen koſtet, das heißt, wenn ſie einmal bezahlt ſein wird! Auch das noch, und wo ſich dieſer unverantwortliche Kerl herum⸗ treibt! In ſeinem Zimmer iſt er nicht, dazu iſt er zu ehrlich, denn wenn er heim gekommen wäre, ſo würde er auf die Wachtſtube gegangen ſein, wie er mir verſprochen.— Kommt da nicht etwas? Nein, es iſt nur ſo ein verfluchter Nacht⸗ wächter!“
Zwanzig Mal war er im Begriffe, auf ſein Zimmer zu gehen, und zwanzig Mal hielt ihn die Furcht und Scham davon
3 Hackländer, Der letzte Bombardier. II. 13


