Teil eines Werkes 
2. Bd. (1870)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

192 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.

2

ſchon darauf, den ſpät nach Hauſe Kommenden zu hänſeln; auch war es ihm leibhaftig, als ſehe er ſchon das dumm lachende Geſicht des jungen Flattich vor ſich und höre deſſen unpaſſende Bemerkungen von gemeinen Liebſchaften und dergleichen.

Eine glückliche Idee ſchien es ihm deßhalb, auf die Caſernen⸗ Wachtſtube zu gehen, um ſich dort mit Erich, der ja eigentlich daran ſchuld war, über das Weitere zu benehmen, ſo wie auch dieſem jungen, leichtſinnigen Menſchen ſehr eindringliche und ſehr gerechte Vorwürfe zu machen.

Bald hatte er denn auch die Dominicaner⸗Caſerne erreicht und ſah das Licht aus dem Fenſter der Wachtſtube ſchimmern. Der Poſten vor dem Gewehr machte ihm als Bombardier und Schreiber auf der Brigadekanzlei keine Schwierigkeiten, und ſo trat er zuerſt an das Fenſter der Wachtſtube, um vorher das Terrain zu recognosciren, beſtändig mit vorgehaltener linker Hand und fortwährend darüber innerlich polternd und fluchend.

Da ſaß der wachthabende Bombardier Hellwig und las in einem Buche, da lagen die beiden Kanoniere auf der Pritſche, aber von Erich war keine Spur zu ſehen.

Sonderbar, wo mag ſich dieſer Kerl herumtreiben? Hat vielleicht den Leichtſinn ſo weit getrieben, iſt auf ſeine Stube gegangen und in ſein Bett gekrochen; dann ſollte ihn aber gleich ein ſiedendes Donnerwetter— na, davon muß ich mich überzeugen!

Er öffnete geräuſchvoll die Thür der Wachtſtube und ſagte, ohne einzutreten, zu dem erſtaunt aufblickenden Komman⸗ direnden:„Du, Hellwig, war Niemand da, der nach mir gefragt hat?“ „Keine Seele.“