Part 
2. Bd. (1870)
Place and Date of Creation
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

Erich vor dem Richter. 9

empor, und hier bemerkte man große, breite, hell erleuchtete Fenſter. Sie gingen bei der Kirche vorbei dem Schloſſe zu und kamen dann in ein hell erleuchtetes Veſtibul, wo reich galonirte Diener geſchäftig hin und her liefen, glänzende Ge⸗ ſchirre in Kryſtall und Metall ſo wie leere Flaſchen forttragend, während andere ſilberne Gefäße herbeitrugen und mit denſelben in einem anſtoßenden Gemache verſchwanden, wo Erich's Begleiter demſelben einzutreten befahl und wo dieſer ſich aus der dunkeln, ſtillen Nacht, aus dem kalten Gemache hinweg mit Einem Male in eine ſo feenhafte Umgebung verſetzt ſah, daß er mit Stannen und Verwunderung um ſich herſchaute, und wo ihn das noch nie Geſehene auch förmlich geblendet haben würde, ſelbſt wenn es mit ſeiner letzten Vergangenheit einen minder ſchroffen Gegenſatz gebildet hätte.

Er befand ſich in einem hohen, achteckigen Gemache, in deſſen Mitte die Waſſer eines Springbrunnens, luſtig plätſchernd, den Glanz von Hunderten von Wachskerzen zurückwarfen, mit denen dieſer Raum erfüllt war. Sein Fuß glitt über einen parketirten Boden, und die warme, angenehme Luft, die hier herrſchte, that ſeinem durchfrorenen Körper unendlich wohl. So reich ihm aber auch dieſes Gemach erſchien, ſo war es doch nichts im Vergleiche mit der hohen und weiten ſtrahlenden Halle, in welche Erich durch breite, geöffnete Flügelthüren hinein blickte. Er glaubte zu träumen oder ein Märchen zu erleben ein Märchen, in welchem ſich vor dem armen, verirrten Wanderer plötzlich die Herrlichkeiten der ganzen Feenwelt aufthaten. Gab es wirklich ſolche Pracht, ſolchen Glanz, wie das, was ſich da vor ſeinem flimmernden Blicke aufthat?

Ja, es gab dergleichen, denn er träumte nicht und erlebte