———;—;———————
1 4 * 1
Erich vor dem Richter. 5
mit ſeinen Schritten zu durchmeſſen. Alles, was er außer dem Schalle ſeiner eigenen Fußtritte hörte, war der tiefe Klang einer Thurmuhr, welche Viertel und Halb anſchlug und dann nach einiger Zeit die achte Abendſtunde.
Ja, es fror ihn, und er lief haſtiger auf und ab, um ſich zu erwärmen, und wenn ihm dies auch für Augenblicke gelang, ſo hatte er doch nichts, um ſeinen Hunger zu beſchwich⸗ tigen, der auf recht unangenehme Art anfing, ſich bei ihm ein⸗ zuſtellen. Ja, Froſt und Hunger, zwei troſtlos geſchickte Maler, um uns Gegenwart und Zukunft mit trüben, grauen Farben auszumalen! Sein Muth ſchwand dahin, ſeine Hoffnung er⸗ blaßte, und als er ſich jetzt wieder auf die Holzpritſche ſetzte, kauerte er ſich frierend zuſammen unter dem ſchweren Drucke einer recht kummervollen Stimmung.
Wohl horchte er auf, als er jetzt draußen Geräuſch ver— nahm, und die Hoffnung belebte ihn, daß man jetzt kommen werde, um nach ihm zu ſehen. Doch zog der Schall zahlreicher Fußtritte vorüber. Dann hörte er das Rollen von Rädern ſo wie das Schnauben und Schütteln von Pferden; auch flog der Widerſchein vom Licht durch das Fenſter an der gewölbten Decke des Gemaches raſch dahin, um aber gleich darauf wieder eine ſcheinbar noch tiefere Finſterniß entſtehen zu laſſen und noch eine unangenehmere Stille, als jetzt das Geräuſch der Vorübergehenden draußen aufgehört. Wer konnte das geweſen ſein?— Auch wenn er noch droben am Fenſter geſtanden hätte, wäre er doch der Eiſengitter wegen nicht im Stande geweſen, das zu unterſcheiden.— Neun Uhr.— Dann lief er haſtig auf und ab und dachte an das friedliche, angenehme Leben in der Mühle, wo jetzt wahrſcheinlich in dem heimlichen Wohn⸗


