Teil eines Werkes 
2. Bd. (1870)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6 Vierzehntes Kapitel.

zimmer die Lampe auf dem Tiſche ſtand, wo der Müller Bur⸗ bus mit weiten Schritten auf und ab ging und wo vielleicht die alte Lene irgend eine Vorahnung erzählte, welche ſie, das Verſchwinden des armen jungen Menſchen betreffend, gehabt haben wollte.

Erich konnte freilich nicht wiſſen, daßdas, was er ſo

träumte, der Wahrheit nahe kam, und daß er in ſeinen Gedan ken nur noch Gottfried's vergeſſen hatte, der vor dem großen Ofen ſtand, nachdem er ſeine Büchſe mißmuthig in einen Winkel geſtellt, und nun ſeinem Vater erzählte, daß er auf der Wald⸗

burg geweſen ſei, daß ihm aber dort die Leute des Grafen Seefeld böswillig jede Auskunft verweigert und daß er nur durch Beſtechung unter der Hand erfahren konnte, Erich ſei von dem Revierförſter Ketteler bei dem verendeten Hirſche ge⸗ funden und mitgenommen worden. Der alte Müller hatte dar⸗ auf langſam mit dem Kopfe genickt und befohlen, daß man morgen früh um ſechs Uhr für ihn einſpannen ſolle, um auf das Gerichtsamt der benachbarten Stadt zu fahren. Hätte Erich eine Ahnung davon gehabt, daß die Freunde ſeine richtige Spur geſunden, ſo würde er ruhiger, getröſteter geweſen ſein; ſo aber überkam ihn jetzt ein unausſprechlich ſchmerzliches Ge fühl des Verlaſſenſeins, zugleich mit dem traurigen Gedanken, daß er eigentlich Niemanden auf der Welt habe, der die Ver⸗ pflichtung in ſich fühle, ſich um ihn zu bekümmern, und daß er es ja eigentlich dem Müller Burbus ſo wie auch Gottfried und den Anderen nicht übel nehmen konnte, wenn ſie den frem⸗ den jungen Menſchen, der ſie ja eigentlich gar nichts anging, ſeinem Schickſale überließen.

Dabei traten jene Tage ſo lebhaft vor ſeine Seele, wo er noch