ANERRD
— nicht mehr glauben will! Gott hat mich verleugnet, und ich verleugne ihn!
— Schweig, Ungluͤckſeliger! rief der Biſchof entrüſtet. In Deinen letzten Augenblicken noch frevelſt Du ſo unerhört, daß für Dich nimmer wird Gnade und Erbarmung walten können.
— Nie verlangte ich Gnade und Erbarmung— nur Gerechtigkeit wollte ich und habe ſie mir ſelber verſchafft! rief der Verwundete. Doch ſorget nicht um mein Seelen⸗ heil; giebt's einen Gott, der ſo iſt, wie Ihr lehrt, ſo werde ich, bevor ein neuer Tag anbricht, ihn erkannt haben an einem Zeichen! Bis dahin werde ich noch leben— und dann—
Die Schmerzen ſeiner Wunde nöthigten ihn zum Schwei⸗ gen. Schaudernd wandte ſich der Biſchof von ihm ab.
Jetzt trat der alte Franziskaner⸗Mönch, der ſchon vor⸗ hin ſich mit Klara und Peter beſchäftigt hatte, zu dem ge⸗ lehrten Greis.
— O Herr, wenn Eure Kunſt und Wiſſenſchaft mehr als Gewöhnliches vermag, ſo verſucht ſie an jenen Beiden! bat er, ihn zu dem Ruhebette führend, auf welchem Klara regungslos ruhte, während Peter auf dem Teppich vor dem⸗ ſelben hingeſtreckt lag. Sie ſind es Beide werth, daß Ihr Euch ihrer annehmt.
— Wie— leben Sie denn noch? Ich hielt ſie ſchon für todt, als ich ſie vorhin ſah! verſetzte der Greis. Ein ſchwacher Lebensfunke iſt freilich noch in ihnen, fuhr er nach kurzer Pauſe mit traurigem Kopfſchütteln fort; doch iſt der Funke, wie geſagt, zu ſchwach, als daß Hoffnung vorhanden wäre, ihn wieder zu einer Flamme anzufachen, wie ſie er⸗ fordert wird; es wird vergebens ſein.
— Ich dacht's mir faſt! ſprach der Mönch mit tiefem Schmerz. Daß die gewöhnlichen Mittel der Arzeneikunſt hier nichts mehr auszurichten vermögen, wußte ich ſchon aus


