55
2 AAAæ; 82
ausgerottet werden könne durch die Erkenntniß aller Dinge, und dieſe Erkenntniß zu erlangen, um ſie ſpäter aller Welt mitzutheilen, war meines glühenden Strebens Ziel. Unter tauſendfachen Drangſalen und Beſchwerden durchpilgerze ich bekannte und unbekannte Länder und lernte von den Weiſen aller Völker. Endlich glaubte ich alles Wiſſen erſchöpft zu haben und am Ziele zu ſein; deshalb kehrte ich in mein Vaterland zurück. An Alles hatte ich indeſſen gedacht, nur nicht daran, daß ich während meiner mühſamen Lehrzeit ein ſchwacher Greis geworden, dem zwar nicht die Liebe für ſeine edlen Zwecke erloſchen, aber deſſen Kraft mit ihm ge⸗ altert war. Nur friſcher Jugendeifer— das ſah ich jetzt ein— konnte vollbringen, was ich mir vorgenommen; nur jugendlicher Feuereifer konnte die Kämpfe beſtehen, die ent⸗ ſtanden, als ich es kaum verſuchte, die große Maſſe anzu⸗ regen für die höhere Erkenntniß; es gehörte der Jugend nie verſiegende Hoffnung auf endliches Gelingen eines großen Werkes dazu, um nicht an den Hinderniſſen zu erlahmen und matt vor ihnen zurückzuweichen, die ſich meinem Stre⸗ ben bei jedem Schritte in den Weg ſtellten. Ward ich nun auch inne, daß ich nimmer mein Ziel erreichen konnte, ſo verzagte ich dennoch nicht ganz.
Wohlan, ſo tröſtete ich mich, was Du nicht mehr ver⸗ magſt, das ſoll ein Jüngerer vollbringen. Du brauchteſt ſechszig Jahre, um die in der Welt zerſtreut und theilweiſe begraben und verborgen liegenden Schätze des Wiſſens zu ſammeln; aber jetzt, da der geſammte Schatz in Dir ver⸗ einigt iſt, wird es nur einiger Jahre bedürfen, um ihn einem Andern mitzutheilen.
Dieſer Gedanke erfüllte mich mit hoher Freudigkeit, und in dem Umſtand, daß ich zu derſelben Zeit Dich, Theobaldo, fand, ſah ich des Himmels Wink. Der Eifer, mit dem Du Dich dem Unterrichte hingabſt, erwarb Dir mein unbegrenz⸗ tes Vertrauen, ſo daß ich's unterließ, Dein Herz und Dein


