— Nein, meine Rache iſt nicht ungerecht, fuhr er in Erinnerungen verſenkt fort. Mir war einſt vom Geſchick ein Leben ſtillen Glückes und ſanfter Freude beſchieden; aber Habſucht, Bosheit und Niederträchtigkeit der Menſchen ha⸗ ben es mir geraubt und ließen mich ſtatt deſſen lange Jahre tiefſten Elends und der Verzweiflung koſten! Und nicht mich allein hatte ich zu rächen; auch Martha, deren junges Blü⸗ thenleben ſie mit frevelnder Hand geknickt, und die beiden Weſen, meine Kinder, die entweder umgekommen ſind in Mangel und Noth, oder ein elendes Daſein mit ſich herum⸗ ſchleppen und vielleicht ihren Erzeuger verfluchen— auch ſte mußten gerächt werden. Und ſie ſind gerächt, daß man in ſpäten Zeiten noch davon ſprechen wird!
Nach einer Weile düſteren Sinnens ging er wieder in die erſte Zelle, ſetzte ſich dort an den Tiſch und begann emſig zu ſchreiben. Was er ſchrieb, war ungefähr Folgendes:
„Zerfallen mit der Welt und mit mir ſelber, belaſtet mit dem Vaterfluche, ſo mußte ich heimlich bei der Nacht dem Orte meiner Geburt den Rücken kehren, um dem Gift⸗ becher und dem Dolche des eigenen Bruders zu entfliehen! Und warum? Weil ich dem Mädchen, dem ich Treue ge⸗ ſchworen, den Eid nicht brechen wollte, und weil ich, ver⸗ blendet von der Leidenſchaft, den argliſtigen Rathſchlägen des Bruders gefolgt war! O, wie gern wäre ich geſtorben, aber ich mußte ja leben, um Martha's, der Entehrten wil⸗ len; ich mußte ja leben, um einſt gut zu machen, was ich in Raſerei an ihr verbrochen!
Wie ich gerungen und ſelbſt niedere Dienſtbarkeit nicht ſcheute, um einſt vor den harten Vater hintreten zu können und ihm zu ſagen: Siehe, ich habe mir durch eigene Kraft erworben, was ich brauche, um glücklich mit dem geliebten Mädchen zu ſein, und Martha wird mein Weib trotz Dei⸗ nes Zornes!— das weiß nur ich! Es gelang mir nicht auf dieſem Wege, mein Ziel zu erreichen n; aber dennoch


