ANNE
meint! In Pignettis bleichem Angeſicht aber las man nichts⸗ deſtoweniger den Ausdruck einer gewiſſen Zufriedenheit, die nur hin und wieder und dann auch nur auf kurze Zeit einer innern Unruhe zu weichen ſchien. Seine Augen, wenn nicht eben ein heftiger Schmerzanfall ſeiner Wunde ſie trübte, zeigten ihr gewöhnliches unheimliches Lächeln.
Der helle Ton einer kleinen Glocke ließ ſich von der erſten Zelle her vernehmen; es war das Zeichen, daß Je⸗ mand aus dem Kloſter Einlaß begehre.
Lebhafte Erwartung malte ſich in Pignetti's Zügen. Haſtig ſchritt er durch das mittelſte Gemach nach jener erſten Zelle, deren auf den Korridor führende Thür er öff⸗ nete, nachdem er diejenige, durch welche er eingetreten, feſt verſchloſſen hatte. Ein Kloſterbruder ſtand draußen auf dem Gange.-
— Ich habe Euer Gebot erfüllt, Hochwürdiger, und bringe Euch Nachricht, ſagte dieſer. Vor einer Viertelſtunde haben ſie den Angeklagten zum Tode verurtheilt.
— Wann wird das Urtheil vollzogen? fragte Pignetti mit halbgeſchloſſenen Augen, wie es im Verkehr mit den Leuten ſeine Weiſe war, um ſeine Gedanken beſſer zu ver⸗ bergen. Habt Ihr's erfahren, frommer Bruder?
— Nach zwölf Stunden, heißt es, verſetzte der Mönch. Alſo gegen elf Uhr in der Nacht.
— So muß ich denn für den armen Sünder beten, ſprach Pignetti. Sorgt daher, daß man mich nicht ſtöre.
Er verſchloß die Thür und kehrte in die andere Zelle zurück, wo er ſich auf eine der Kiſten niederließ.
— Mein Werk iſt vollendet! ſprach er für ſich. Voll⸗ endet, ehe ich's dachte; vollendet durch die Hülfe der Hölle, die ich nicht vergebens angerufen habe! Mein Werk aber war die Rache; ich habe ſie vollbracht, meinen Leiden an⸗ gemeſſen und meiner würdig! Schrecklich und entſetzlich iſt ſte für die von ihr Getroffenen; aber nicht ungerecht!


