Teil eines Werkes 
4. Bd. (1858)
Entstehung
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Mit ruhiger Faſſung hatte Ottokar den Urtheilsſpruch angehört, den er ſo milde kaum erwartet. Jetzt wandte er ſich an den Propſt mit der Bitte, ihm die letzten Segnungen der heiligen Kirche zu Theil werden zu laſſen, und als die⸗ ſer ihm willig und gern zugeſagt, grüßte er freundlich alle Anweſenden und verließ an des Geiſtlichen Seite den Saal. Im Vorgemach nahmen ihn einige Stadtſöldner in Em⸗ pfang.

Trennert folgte ihm mit ſeiner Tochter; auch Oſiris gab das Verlangen kund, fortgebracht zu werden, welchem alſo⸗ bald Folge geleiſtet ward. Darnach ſchickten ſich auch die als Zeugen der Verhandlung geladenen Bürger zum Gehen an; doch blieben etliche von ihnen neugierig zurück, als ſie gewahrten, daß ein Streit unter den Rathsherren ſich zu erheben beginne.

In dem Augenblicke nämlich, wo das verhängnißvolle Schuldig! leiſe murmelnd im Saale wiedertönte, lauter in dem Vorgemach und auf den Gängen erſcholl und end⸗ lich auf dem Platze vor dem Rathhauſe in hundertſtimmigem Echo die Luft erſchütterte in dieſem Augenblick ward leiſe die Thür, welche aus dem Vorgemach in den Sitzungsſaal führte, geöffnet, und der Franziskaner, welcher ſich bei Be⸗ ginn des Gerichts unten durch die Menge gedrängt und während der dem Urtheilsſpruche vorangegangenen Verhand⸗ lungen im Vorgemach geharrt hatte, trat in den Sitzungs⸗ ſaal. Ruhig wartete er, an der Thur ſtehen bleibend, bis Heydicke mit ſeiner Rede zu Ende war. Dann trat er dreiſt durch die Schranken, welche den Richtertiſch umgaben, und ſchritt keck auf den Bürgermeiſter zu.

Da der Eindruck, welchen die Urtheilsverkündigung auf die Anweſenden gemacht, dieſe noch in ſeiner ganzen Stärke beherrſchte, ſo hatte Niemand auf den Mönch geachtet, bis dieſer ſich ſelbſt bemerkbar machte, indem er Heydicke ein klei⸗ nes verſiegeltes Schreiben übergab mit den Worten: