auf das große rothe Wachsſiegel*) des Schreibens, indem er leiſe ſagte:
— Verzeiht, geſtrenger Herr; aber der Ueberbringer band mir's auf die Seele, es Euch ungeſäumt zu übergeben.
Als Heydicke einen Blick auf die Inſchrift des Siegels geworfen, ſchwand augenblicklich ſein Zorn gegen den Raths⸗ diener. Er gebot dieſem nur durch ein Zeichen, ſich zu ent⸗ fernen, erbrach das Schreiben und nachdem er es geleſen, legte er es wieder zuſammen und that es zu den andern Schriften, die vor ihm auf dem grünen Tiſch lagen.
Rycke, dem nichts entging, was im Saale vorging, und der nichts mehr fürchtete, als daß irgend ein Zufall Otto⸗ kars Unſchuld an den Tag bringen könne, wandte keinen Blick von Heydicke, während dieſer das Schreiben las; als er aber nicht die geringſte Veränderung in dem Geſicht ſei⸗ nes Nachfolgers gewahrte, welche auf eine wichtige Nach⸗ richt hingedeutet hätte, athmete er wieder leichter und ſeine Unruhe ſchwand.
Endlich hatte der Amtsſchreiber ſeinem Bericht nichts mehr hinzuzufügen.
Da Ottokar keine Zeugen für ſich aufgeſtellt, ſo ergriff Heydicke wieder das Wort, indem er ſich zu Ottokar wandte.
— Ihr habt gehört, was hier von unverdächtigen Zeu⸗ gen gegen Euch vorgebracht worden iſt, ſagte er. Hoffent⸗ lich werdet Ihr eingeſehen haben, daß ferneres Leugnen Euch nur Schimpf und Schaden bringt, und es vorziehen, ein offenes, reumuthiges Bekenntniß Eurer Schuld abzulegen. Doch ſei es Euch vergönnt, Alles zu ſagen, was Ihr zu Eurer Rechtfertigung oder zur Milderung Eurer Schuld dien⸗ lich haltet; danach werden wir unſer Urtheil fällen.
Ottokars Erwiederung hierauf war nur kurz. Er wie⸗
*) Mit rothem Wachs zu ſiegeln, war damals nur den höchſten Behörden und fürſtlichen Perſonen als ein Ehrenvorrecht geſtattet.


