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Obrigkeit in dem vorliegenden Falle die Oeffentlichkeit nicht zu ſcheuen brauche und zu dieſem Zwecke hatte ſie auch die angeſehenſten Bürger aus den Gewerken beider Städte ge⸗ laden, um Zeugen der Verhandlungen und des Urtheils⸗ ſpruches zu ſein.
Dieſe waren denn auch die Erſten, welche ſich heute auf dem Rathhauſe einfanden. Stolz auf den ihnen ge⸗ wordenen Vorzug, ſchritten ſie mit würdevollen Mienen durch die verſammelte Menge, wohl wiſſend, wie ſehr ſie von die— ſer wegen des erhaltenen Vorrechts beneidet wurden.
Bald darauf trug man in einer Sänfte den Bruder des verſtorbenen Reinhold herbei, gegen den Ottokar einen Meuchelmord verübt haben ſollte; wie ſehr ſich aber auch Alles neugierig herzudrängte und die Hälſe reckte, um den Ankommenden zu ſehen: die von allen Seiten wohl ver⸗ wahrte Saͤnfte ließ ſie den in derſelben Sitzenden nicht ge⸗ wahren; es hieß, der Verwundete könne die rauhe Winter⸗ luft noch nicht vertragen und habe ſich deshalb ſo gut ver⸗ wahren laſſen.
Dann erſchien Meiſter Trennert, an deſſen Hand ſeine Tochter einherwankte. Des Alten kummervolles Angeſicht, ſowie der tiefe Schmerz, der aus den bleichen Zügen der Lieſel ſprach, welche Jedermann ſonſt als ein blühendes, hei⸗ teres Mädel gekannt hatte, erregte das Mitleid aller An⸗ weſenden; ein dumpfes Gemurmel lief durch ihre Reihen und manche Verwünſchung ward laut gegen den, welcher der Urheber des Unglücks der Beiden ſein ſollte.
Doch währte dieſe Stimmung nicht lange, denn gleich darauf langte der neue Syndikus an, den Viele noch nicht geſehen hatten und über welchen jetzt verſchiedene Gloſſen gemacht wurden; man war allgemein mißvergnügt darüber, daß zu dieſem wichtigen Amte Keiner aus den beiden Städ⸗ ten, ſondern ein Fremder willkürlich vom Rathe auserſehen worden, denn man hatte es noch nicht vergeſſen, daß ſein


