AVAN
zuſammen und tuſcheln heimlich mit einander; oder ſie ſitzen ernſt und ſchweigſam da und hören ſtill zu, wenn hin und wieder ein Hitzkopf ſich über dieſen oder jenen Vorgang im Regimente der Stadt ereifert. Und gerade dieſer ſchwei⸗ gende Ernſt ſcheint mir eine ſchlimme Vorbedeutung. Wenn die Leute ihren Unmuth in Worten austoben, ſo kommt's zu keiner ordentlichen That, weil der Drang zu ſolcher mit dem Worte verfliegt; wenn Sie aber ihre Gedanken ſtill in ſich verſchließen, dann bricht ſich's endlich auf andere Weiſe Bahn, und ſolcher Ausbruch verhaltenen Grolles iſt immer gewaltiger Natur. Wie geſagt, mir kommt's ſo unheimlich und ſchwül vor, als ob von ferne ein Unwetter daher brauſete!
— Und auch die, ſo ſonſt am meiſten gegen den Kur⸗ fürſten geeifert, weil ſie meinten, daß er der Städte Rechte und Freiheiten antaſten wolle, ſie hört man jetzt anders re⸗ den. Wozu dienen uns all die Rechte und Freiheiten— ſo ſprechen ſie— da ſie doch nur den Patriziern zu Gute kom⸗ men? Die Patrizier allein ſind's, die von Allem den Vor⸗ theil ziehen, während unſer Seckel die Koſten zahlen muß! Wer weiß es denn, ob der Kurfürſt wirklich darauf ſinnt, uns zu ſchmälern; denn ſind es nicht eben die Patrizier, die uns allen Argwohn eingeflößt und uns zu allermeiſt gegen den Landesherrn aufgehetzt haben? Und was giebt denn dieſen Leuten das Recht, allein über uns herrſchen zu wollen— ſind ſie denn mehr, als wir? Sie waren nur ſchlau und häuften durch gewinnbringenden Handel ohne große Mühe Reichthümer an, während wir in unſeren Werk⸗ ſtätten weidlich uns quälten! Saßen doch unſere Voreltern auch im Rath, bevor es etlichen Handelsgeſchlechtern gelang, den Gewerken auf liſtige Weiſe die Gewalt aus den Hän⸗ den zu winden! Und ſollen wir doch einmal beherrſcht wer⸗ den, ſo iſt's immer beſſer, es geſchieht durch Einen, der als Fürſt und Landesherr dazu berufen iſt, als durch Leute, die ſich ſtolz über uns erheben wollen, ob ſie gleich nicht mehr


