Teil eines Werkes 
3. Bd. (1858)
Entstehung
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will's nicht gefallen, daß bei dergleichen immer ein Aufzug gemacht wird, als ſei's eine große Feierlichkeit oder ein gro⸗ ßes Feſt! Um der leidigen Neugier willen ſtrömt da das Volk zuſammen; ein Beiſpiel aber nimmt ſich Keiner d'ran. Hat man doch gar erlebt, daß Etliche ein Verbrechen be⸗ gangen haben, nur um ihrer Eitelkeit zu fröhnen! Sie fan⸗ den Gefallen daran, in feierlichem Aufzuge durch die Gaſſen geführt zu werden, unter Glockenklang und dem Sterbegeſang der Mönche, und dann vor der verſammelten Menge oben auf dem Blutgerüſt zu ſtehen, angethan mit dem weißen Ar⸗ menſünderkleide, das mit langen ſchwarzen Schleifen geziert iſt! Mir iſt's ganz recht, daß ſie's in der Stille, aber in Gegenwart von Zeugen abmachen wollen mit dem Reinhold!

Daß ſie's mit dem Reinhold ſo halten wollen, ge⸗ ſchieht nur, weil ſie Unruhen befürchten, wenn ſie ihn auf öffentlichem Platze vor allem Volk den Kopf abſchlagen laſ⸗ ſen; denn es giebt doch noch Viele, die da meinen, daß er unſchuldig ſei und daß der Rath Alles nur ſo gedreht hätte, um ſich ſeiner zu entledigen, der den Patriziern ſchon längſt ein Dorn im Auge war. Darum haben die hochedlen Her⸗ ren auch beſchloſſen, zu dem morgenden Gerichte über den Reinhold viele angeſehene Bürger aus den Gewerken vor⸗ zuladen, damit dieſe ſich überzeugen ſollen, daß Alles ſeine Richtigkeit hat. Der Rath will zeigen, daß er Gerechtigkeit übt ohne Anſehen der Perſon!

Es thut auch Noth zu dieſer Zeit, daß die Machthaber in den beiden Städten den Bürgern darthun, daß ſie auf rechtem Wege wandeln. In den letzten Wochen, ſeit der Reinhold gefangen ſitzt, iſt's mir ganz unheimlich vorgekom⸗ men unter den Leuten. In den Wein- und Bierhäuſern geht's gar nicht mehr her wie ſonſt, wo ſie weidlich auf den Landesherrn ſchmähten und das Joch der Patrizier laut ver⸗ wünſchten, wenn ſie glaubten, daß Niemand da ſei, der es den Herren hinterbringe. Sie ſteckten jetzt entweder die Köpfe