Teil eines Werkes 
3. Bd. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

A

zu thun pflegen, meinte ein Anderer. D'rum ſind ſie mit⸗ ſammen vor uns davongelaufen. Sicherlich aber hat Einer den Andern von der Brücke hinabgeſtürzt.

Wollen doch noch mal verſuchen, dem Dinge auf den Grund zu kommen, nahm der Vorige wieder das Wort.

Er trat an das abſchüſſige, hin und wieder mit Dorn⸗ geſträuch beſetzte Flußufer und ließ an mehreren Stellen den Schein ſeiner Leuchte über das Waſſer hinſtreifen.

Da liegt er! riefen nach einer Weile die beiden andern Stadtſöldner zugleich, als ihr Führer ſich mit der Leuchte der Brücke näherte. Es iſt ein Mönch!

In der That entdeckte man an einem Brückenpfahl ein Mönchsgewand, welches von einer unmittelbar über dem Waſſer befindlichen Kramme feſtgehalten ward, während ſein Untertheil im Fluſſe trieb. Es war das graue Ordens⸗ kleid der Franziskaner, von ſeinem Beſitzer jedoch keine Spur.

Ein Prieſtermord alſo! ſprachen die Stadtſöldner unter einander. Den werden die beiden Städte wieder mit dem Interdikt büßen müſſen, wenn's ruchbar wird, wie vor Zeiten die Ermordung des Bernauiſchen Propſtes!

Dem iſt nicht ſo, ſagte der Führer, denn den bei

den Städten ward ſpäter die päpſtliche Zuſicherung ertheilt,

daß hinfort für die Verbrechen Einzelner gegen die Kirche oder deren Diener die Geſammtheit nicht mehr büßen ſolle, wenn anders der Verbrecher dem geiſtlichen Gerichte nicht verweigert wird. Das Schlimme bei der Sache iſt nun freilich, daß Niemand weiß, wer dieſen Mord begangen hat.

Nun, wir haben gethan, was unſere Schuldigkeit war, ſagte der Dritte. Aber ſeltſam bleibt's doch, daß der Mönch gleichfalls davonlief.

Er war's vielleicht, der den Andern unter hatte, als wir dazu kamen, meinte der Erſte wieder. Oder er hielt uns für Kumpane ſeines Gegners. Wie es aber nur ge⸗ kommen ſein mag, daß er im Waſſer ſein Kleid verloren? 17*