An Rycke's Hauſe waren die Stadtſöldner bereits vor⸗ über, als ein halb erſtickter Angſtruf in ihre Ohren drang, der vom Nikolai⸗Kirchhofe herüberzukommen ſchien. Sie blieben lauſchend ſtehen; doch ließ ſich weiter nichts verneh⸗ men und ruhig ſetzten ſie darauf ihren Weg fort.
Doch alsbald mußten ſie abermals innehalten; denn als ſie an die Gaſſe gelangten, die neben der Berliniſchen Propſtei von der Spandower Straße nach dem Kirchhofe führte, vernahmen ſie von dorther Aechzen und Keuchen, und dumpfes Geräͤuſch und Geſtampf ließ ſich hören, wie wenn Zweie heftig mit einander ringen. Sehen aber konnten ſie bei der Finſterniß nicht das Geringſte.
— He, was giebt's da unten! rief der Führer der Schaarwacht, indem er die Blendleuchte emporhielt, deren Licht aber nur einen kleinen Raum vor ihm erhellte. Wer balgt ſich da noch zu ſo ſpäter Stunde?
Da keine Antwort erfolgte, das Geräuſch aber fort⸗ dauerte, ſo machten ſich die Stadtſöldner jetzt auf den Weg nach dem Orte, von woher die Töne kamen, um die Stö⸗ renfriede, die dort ſich balgten, auseinanderzubringen. Als ſie die Gaſſe zu Ende waren, hörten ſie, wie Einer, deſſen Stimme vor Wuth keuchte, ſeinem Gegner zurief:„Jetzt iſt's mit Dir vorbei, Du Hund!“
— Hollah, da ſoll Einem der Garaus gemacht wer⸗ den! rief der Führer der Schaarwacht wieder, ſeine Schritte beſchleunigend. Haltet inne, Ihr da auf dem Kirchhofe, und ſteht uns Rede, im Namen des hochedlen Rathes!
Einen Augenblick ward's ſtill auf dieſen Ruf. Dann aber hörten die Stadtſöldner den Schall von Tritten, die ſich in haſtiger Schnelle entfernten.
— Da laufen die Hallunken davon; es ſind ihrer mehrere! rief der Stadtſöldner ſeinen Gefährten zu. Hurtig, Burſchen, ſetzt ihnen nach, daß Ihr Einen erwiſcht, indeß
ich hier nachſehe, wo der Ermordete liegt! Die ſchwarzen Brüder. III. 17


