Teil eines Werkes 
3. Bd. (1858)
Entstehung
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bringen, was er doch durch ſeine Macht viel leichter ge⸗ ſchehen laſſen könnte? Doch ſtill davon, daß ich nicht ſelber wieder jene qualvollen Zweifel in mir hervorrufe, die leider nur zu oft ungerufen kommen und gegen die alle Ermah⸗ nungen Pignetti's nichts ausrichten! Manchmal wird's mir wirklich zu heiß um's Herz, wenn ich an Alles denke; und hätte ich nicht den Ablaßbrief des heiligen Vaters, ich machte es wie Helene und verſuchte im Kloſter Ruhe zu finden!

Ehrigs Eintritt, der den Nachttrunk brachte, lenkte ihn für jetzt ab von jenen Gedanken. Er befahl dem Diener, für die folgende Nacht ſein Lager neben dem ſeines Herrn aufzuſchlagen. Er hoffte, daß die Gegenwart des frommen Alten jede Anfechtung von ihm fernhalten werde.

Der Nachttrunk machte, daß Rycke bald einſchlief, oder vielmehr hatte der reichliche und ſtarke Wein ſeine Stimme betäubt, daß er bewußtlos dalag. Nicht ſo Ehrig. Obwohl er gewiß müde war, da er ſich jetzt von früh bis ſpät wacker tummeln mußte, um das Hausweſen in Ordnung zu er⸗ halten, um welches ſich ſeit Helenens Entfernung Niemand weiter kümmerte und obwohl Geſundheit und ein gut Gewiſſen ihm ſonſt einen ruhigen Schlaf verſtatteten: heute blieb er ihm fern. Seufzend und betend verbrachte er den größten Theil der Nacht: hin und wieder aber murmelte er vor ſich hin:Wer hätte das gedacht!

In dem Augenblicke, wo Ehrig das Haus hinter dem fortgehenden Handelsmann wieder verſchloß, bog die aus drei Stadtſöldnern beſtehende nächtliche Schaarwacht, von ihrem erſten Rundgange durch Berlin zurückkehrend, aus der Georgen⸗ in die Spandower Straße ein, um ſich nach ihrem Wachtplatze im Rathhauſe zu begeben. Es war um die elfte Stunde; ſelten ließ ſich noch irgendwo ein Licht in den Bürger⸗ häuſern erblicken und auch die Gaſſen waren öde und leer.