Teil eines Werkes 
3. Bd. (1858)
Entstehung
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248. Ergreifung aufzurufen, welche die Gelegenheit, auf leichte Weiſe ein gut Stück Geld zu verdienen, gern benutzen wür⸗ den; ſprach von Pranger, Beil, Galgen und Rad und ließ ſogar ein Wörtlein vom ewigen Feuer fallen, um ihm nur recht wacker einzuheizen. Der arme Schelm, der weder gehen noch ſtehen konnte denn des Reitens längſt entwöhnt, hatte die ſchnelle Flucht nach dem Bayerlande, wo er Ver⸗ wandte hatte, ſeine morſchen Glieder in Grund und Boden zerarbeitet der arme Schelm geſtand in ſeiner Angſt mir Alles ein und bat nur gar kläglich um Mitleid und Erbar⸗ men; er hatte eine arge Scheu vor dem Meiſter Hans und ſeinen Geſellen in der Bödelgaſſe*). Ich ließ mich denn auch erweichen und bald wurden wir Handels einig. Der Mantel⸗ ſack, den er unter dem Kopfende ſeines Strohlagers liegen hatte, enthielt ein artiges Sümmchen, lauter vollgewichtiges Geld! Zweihundert Stücke zählte ich für den Schelm ab, die übrigen aber nun, ich habe ſie mir ehrlich verdient; denn was man einem Räuber abjagt, iſt wohlerworbenes Eigen⸗ thum. Gelt, Herr Rycke, ein ſchöner Fang das?

Den Du mir zu verdanken haſt, vergiß das nicht! ſprach Rycke kalt, welcher der Erzählung mit großer Span⸗ nung zugehört hatte, dies ſich aber nicht merken laſſen wollte. Warum ſagſt Du mir aber erſt jetzt davon, nachdem Du Deinen Lohn eingeſtrichen? Haſt Du etwa gefürchtet, ich würde Dir dieſen vorenthalten, da das Glück Dich ander⸗ weit begünſtigte? Ich dächte, von ſolcher Seite wäre ich Dir nicht bekannt!

J nun, wenn ich ſolches auch keineswegs vom ge⸗ ſtrengen Herrn befürchtete, ſo iſt's doch löblicher Gebrauch im Handel und Wandel, immer ſo ſicher wie möglich zu gehen! entgegnete der Handelsmann. Aber ich habe Euch

*) Bödel- oder Büttelgaſſe hieß ehedem die heutige Heidereuter⸗ gaſſe, in welcher die Scharfrichterei belegen war.