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werde, wo ich ſie ob ihrer Gefühlloſigkeit beneiden möchte! Doch viel muß ſie gelitten haben, bevor ihr Herz des Schmer⸗ zes ſo gewöhnt ward, daß ſein Stachel keine Wunde mehr hervorbringt; die Arme, ſie brachte ja ein einziger Tag um
den Verlobten und um ihre Kinder! O, es iſt ein bitterer
zwar, doch immer noch ein Troſt, wenn man ſich ſagt, daß Andere noch ein größeres Leid getragen! Nimmer hätte ich je gedacht, daß ich an Martha's Unglück mich einſt in mei⸗ nem Schmerze aufrichten werde! Gott möge ihr einſt reich vergelten, was ſie hier erduldet!
Boytin drückte ihr die Hand, doch ohne auf ihre Worte etwas zu erwiedern.
Bald war man im Herrenhauſe zu Britz angelangt, wo Frau Katharine in Angſt und Sorgen ihrer harrte. Lis⸗ beths Thränen ſagten ihr, daß der Verſuch, Ottokar zu ret⸗ ten, mißlungen ſei; mitfühlend ſchloß ſie die Weinende— jetzt ihre Tochter— an ihr mütterliches Herz und verwies ſie in ſanften Worten auf den, der Alles, Freude wie Leid, zum Beſten ſeiner Menſchenkinder ſendet.
Boytin verfügte ſich alsbald auf ſein Gemach, wo er, nachdem er ſich ſeiner Verkleidung entledigt, tief ſinnend auf und nieder ſchritt. Endlich ergriff er den Armleuchter, auf dem zwei Wachskerzen brannten, und ging nach dem Ge⸗ mach, in welchem Andreas, Ottokars alter Diener, bei ſei⸗ nem Gebreſte verpflegt ward. Erſtaunt blieb er auf deſſen Schwelle ſtehen, denn der Kranke, der dies Gemach noch nie verlaſſen ſeit jener Nacht, wo ihm das Unglück ſo plötzlich zugeſtoßen, er war jetzt nicht anweſend. Der offenſtehende Schrank, in welchem des Kranken Kleider ſonſt verwahrt wurden, war gleichfalls leer.
Eilig ſchellte Boytin dem Diener, welchem ſeit der Ge⸗ ſchwiſter und Peters Abweſenheit die Pflege des Kranken übertragen worden. Dieſer kam herbei und war nicht we⸗ niger beſtürzt, als ſein Gebieter, als er ſeines Pflegebefoh⸗


