Teil eines Werkes 
3. Bd. (1858)
Entstehung
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A

der, denn auch dem jungen Mädchen war es Bedürfniß, das volle Herz durch Worte zu erleichtern. Er zwang mich, ihm die geheimſten Gedanken verſchiedener Menſchen zu ent⸗ hüllen, die ich, ſobald er mich durch ſeine Zaubergewalt ſehend gemacht, gleich meinen eigenen deutlich erkannte; er ſandte meinen Geiſt an entfernte Orte, um Kunde zu brin⸗ gen von Ereigniſſen, die dort geſchahen. O, Vieles ſah ich, von dem ich ſonſt nicht eine Ahnung hatte, und was mit Furcht und Schrecken mich erfüllte.

Doch ward ich unter Anderem auch inne, daß außer mir es noch ein Weſen giebt, deſſen Herz meinem Ottokar angehört und das, wie ich, mit ganzer Seele ihn liebt. Dieſe Entdeckung machte ein Gefühl in mir rege, das mir bisher ſtets fremd geweſen. Helene, des reichen Bürgermei⸗ ſters Tochter, ſo ſprach ich zu mir ſelbſt, hat ferner keinen Grund, ihre geheime Leidenſchaft vor ihm zu bergen; er aber wird die Gunſt des Himmels preiſen, die ihm ſo ſchnell Erſatz für die Todte gewährt. Ottokar wird ſeine Liebe ihr zuwenden ſo wird die arme Klara, die Todtgeglaubte, bald vergeſſen ſein und ſelten nur wird Ottokar im Arme des glücklicheren Weibes der todten Braut gedenken, die ihn ſo heiß und innig liebt und einſam und verlaſſen unter fort⸗ währenden Qualen ihr trauriges Daſein dahinſchleppen muß! O, bittere Thränen habe ich da geweint!

Doch Gott erbarmte ſich jetzt meiner Noth; er ſandte mir Gedanken zu, die mich erhoben über meinen Schmerz. Hat Dir Dein Ottokar, ſo ſprach es in mir, durch ſeine Liebe nicht mondenlang das ſüßeſte Glück bereitet, deſſen Er⸗ innerung noch jetzt Deines Lebens Nacht ſo ſanft und mild erhellet und Dich vor Verzweiflung bewahrt? Litt er nicht auch unſäglich bei ſeiner Klara vermeintlichem Tode? Und deß zum Dank erfüllt es Dich mit Bitterkeit, daß ihm ein Schimmer neuen Glücks ſich zeigt? O, das ſei ferne, Klara! ſprach es in mir weiter befördere Du im Gegentheil

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