Teil eines Werkes 
3. Bd. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

eD

ſtarken Mann, dem bisher nur die Freude Thränen entlocken konnte, dem ſchwachen Kinde gleich klagen und weinen zu hören, ohne ein Wort des Troſtes ihm geben zu können. Was er gelitten, habe ich empfunden, doch meine Leiden kennt nur Gott allein!

Schon in der nächſten Nacht ward ich inne, daß die⸗ ſer mein Zuſtand, den ich für eine Folge meiner Krankheit hielt und der wie ich glaubte ſelbſt Pignetti täuſchte, von dieſem Manne gerade hervorgerufen war, und daß er ebenſo, wie ich, von meinem Leben überzeugt war. Ein Wort von ihm hätte Aller Schmerz in Freude kehren können; er aber ſchwieg, denn ſchwarzen Plänen ſollte ich als Werkzeug dienen. Was ich dabei empfand, beſchreiben keine Worte!

Umſonſt verſuchte ich, wie in der letzten Zeit, des Ge⸗ liebten guten Geiſt zu meinem Beiſtand anzurufen, denn die⸗ ſer ſchien mit der Stunde meines vermeintlichen Todes von Ottokar gewichen und ein finſterer Dämon der Nacht an ſeine Stelle getreten zu ſein, der meinem Rufe keine Folge geben konnte oder wollte. Wehrlos ſah ich mich jetzt in des Zauberers Macht; er, nicht ich, gebot fortan über meinen Geiſt, und ſchon ſeine bloße Annäherung verurſachte mir unſägliche Pein.

Als meines Ottokars Schweſter mir den Todtenkranz aufſetzte der einſt mein Brautſchmuck werden ſollte als alle Lieben jammernd mich umſtanden und des Verlob⸗ ten heiße Thränen meine Wangen brannten da blutete in Wahrheit mir das Herz.

So ſehr ich vorher den wirklichen Tod gefürchtet, ſo heiß ſehnte ich mich nach ihm, denn nur durch ihn ſchienen meine Leiden ihr Ende erreichen zu können. Nur die Vor⸗ ſtellung war mir ſchrecklich, in einer Todtengruft einſam die Seele auszuhauchen. Weder mein Sehnen, noch mein Fürch⸗ ten ging in Erfüllung.

Man behandelte mich zwar gleich einer Todten, doch

Die ſchwarzen Brüder. III 2