thaten! Nicht allein zeitliche Glücksgüter, zärtlich für mein Wohl beſorgte Eltern und— was ſelten— eine wahre Freundin nannte ich mein; auch des Lebens Höchſtes war mir beſchieden: eines edlen Jünglings Liebe! O, nur wer ſelbſt liebte, vermag dieſes Glückes Inhalt zu faſſen!
— Er ſchwur Dir Treue und brach den Schwur nicht über Nacht? warf die Zuhörende ein.
— Bedarf's der Eide da, wo Herz und Auge ſprach? Sein Wort: Ich liebe Dich! ſein Blick und Händedruck war mir genug; und hätteſt Du meinen Ottokar je gekannt— nie wäre dieſe Frage über Deine Lippen gekommen. Er, deſſen Redlichkeit ſelbſt ſeine Gegner prieſen; er, der nie vor⸗ ſätzlich einen Wurm zertreten mochte: er hätte ſeine Klara— o, Sünde iſt's ſchon, ſolches nur zu denken!
Der fromme Eifer, mit welchem Klara, Ottokars todt⸗ geglaubte Braut, dieſe Worte ſprach, hauchte ein ſanftes Roth auf ihre bleichen Wangen.
— Du biſt gar fein und lieblich von Geſtalt und An— geſicht, Mädchen! verſetzte die ältere Genoſſin, zu der Spre⸗ chenden aufſchauend. Als Brigitta noch lebte, war ſie's auch und darum hat ſie ſterben müſſen! Du weißt doch, wer Brigitta war?
— Pignetti gebot mir, Dich mit dieſem Namen zu ru⸗ fen, wenn ich Deiner bedürfe, erwiederte Klara. Du Arme haſt gewiß einſt viel Böſes erfahren.
— Du ſprichſt von mir— das habe ich nicht gewollt! unterbrach Brigitta ihre Genoſſin unwillig. Warum ſprichſt Du nicht von Dir!
— Wenn Du willſtt, daß ich weiter ſprechen ſoll, ſo rede nicht mehr ſo Unheimliches, entgegnete Klara. Mir graut ja ſonſt vor Dir!
— Ich will ganz ſtill und folgſam ſein, verſprach Bri⸗ gitta; bin's ja auch immer geweſen, habe ja nie ein Wört⸗ lein vernehmen laſſen, wenn Du geweint und mit ihm ge⸗


