Teil eines Werkes 
3. Bd. (1858)
Entstehung
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druck tiefer Trauer, aber auch muthiger Entſchloſſenheit, welch letztere beſonders dann ſich deutlich in ihren feinen Zügen offenbarte, wenn ſie hin und wieder den Blick zu der in der Decke des Gemachs befindlichen Oeffnung erhob. Das bitter herbe Leid, welches ſie erfüllte, konnte ihr aber erſt ſeit Kurzem gekommen ſein; denn noch war es nicht im Stande geweſen, die Kindlichkeit in dem Weſen der achtzehn⸗ jährigen Jungfrau ganz zu verwiſchen, welche auch jetzt noch ihrer Erſcheinung eine holde Anmuth verlieh.

Die andere Bewohnerin dieſes Gemachs war bedeu⸗ tend älter, ſaß niedergekauert auf dem Teppich in der Nähe des Kamins; ſie ſah gedankenlos und ſtieren Blickes in die auf demſelben befindliche Gluth; die Arme hingen ihr ſchlaff herab; ihr erdfahles Angeſicht mit den welken, lebloſen Zü⸗ gen trug keinen andern Ausdruck, als den gänzlicher Gefühl⸗ loſigkeit und thieriſchen Stumpfſinnes. Nur wenn ihre Ge⸗ fährtin ein Wort der Frage oder Bitte an ſie richtete, kam etwas Leben in ihren ſonſt regungslos ſcheinenden Körper; willig that ſie alles, was dieſe, der ſie als Dienerin beige⸗ geben war, von ihr verlangte. Ihr ganzes Ausſehen war abſtoßend, ihr Weſen aller Anmuth baar.

Wahrlich, das Gemach mit ſeiner äußeren und inneren Einrichtung und ſeinen Bewohnerinnen war eine Erſchei⸗ nung, die wohl niemand in einem Mönchskloſter am we⸗ nigſten aber in dem der wegen ihrer Frömmtgkeit und Got⸗ tesfurcht weit und breit berühmten Schwarzen Brüder zu Kölln an der Spree zu ſuchen ſich einfallen ließ.

Es herrſchte in dieſem Raume eine ſo tiefe Stille, daß man faſt nur die Athemzüge der beiden Frauen vernahm. Die Sanduhr zeigte an ihren in die Gläſer geſchnittenen Ringen die zehnte Abendſtunde.

Ein dumpf ſchallender Ton, wie von einem ſchweren Falle, ließ ſich jetzt urplötzlich vernehmen; er kam aus der Richtung der dem Kamine gegenüber befindlichen eiſernen

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