Teil eines Werkes 
3. Bd. (1858)
Entstehung
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Kamine, welches an ſolchem Orte eine ungewöhnliche Er⸗ ſcheinung und für Gefangene eine ſchon außerordentliche Begünſtigung war, entſprach auch die übrige Einrichtung des Gemachs, abgeſehen von ſeiner baulichen Beſchaffenheit, nicht der eines Kerkers. Den Fußboden bedeckte ein wolli⸗ ger Teppich, der nur in der Nähe des Kamins die Stein⸗ flieſen ſehen ließ; ein ſchwarz behangener Betaltar, ein be quemes Ruhebett, ein hölzerner Tiſch mit verſchiedenem Tiſch⸗ geräth, mehrere Polſterſeſſel, Gefäße mit ſeltenen Blumen und ſogar eine Harfe fanden ſich hier vor und machten den Raum zu einem wohnlichen Gemach; eine Sanduhr zeigte die Stunden an.

So pflegten die Kerker nicht beſchaffen zu ſein.

Aber hatten die beiden Weſen, welche ſich in dieſem Gemach befanden zwei bleiche Frauen nicht dennoch das Ausſehen von Gefangenen? Ihrer Kleidung nach konnte man ſie freilich nicht für ſolche halten, denn dieſe war we nigſtens bei der jüngeren ſehr zierlich und beſtand aus Stof⸗ fen, die nur von Wohlhabenden getragen werden konnten; betrachtete man aber Beider Antlitz mit prüfendem Blicke, ſo mußte man trotz der himmelweiten Verſchiedenheit, welche auch dem oberflächlichen Beobachter abgeſehen von dem Unterſchied der Jahre in dem Geſichtsausdrucke der bei⸗ den Frauen nicht entgehen konnte, in ihren Zügen ein ge⸗ wiſſes Etwas erkennen, ein ſchwer zu beſchreibendes Gepräge, welches eine längere Gefangenſchaft denen, die ſie erleiden, aufzudrücken pflegt.

Die jüngere der beiden Unglücksgefährten ſaß auf dem Ruhebette und hatte ihr Haupt ſinnend auf die rechte Hand geſtützt, während die linke, auf deren einem Finger ein gol⸗ dener Verlobungsring glänzte, mit einem Stücklein ſchwarz⸗ ſeidenen Bandes ſpielte, welches ſie abwechſelnd an Herz und Lippen preßte. Ihr Antlitz mit den thränenfeuchten

gen und den marmorbleichen Wangen zeigte den Aus⸗