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— Nein, traute Schweſter, dem iſt nicht ſo! entgegnete Ottokar liebreich. Zwar habe ich viel gefehlt, doch nicht die Schuld von eines Senfkorns Schwere ruht davon auf Dir. Doch glaube mir, Lisbeth, wie groß auch mein Fehl geweſen: ich habe es geſühnt durch ebenſo große Buße, de⸗ ren Entſetzlichſtes die Vorſtellung war, daß Klara, ſie, die Reine, Unſchuldigſte von Allen, um meines Fehls willen den bittern Tod koſten mußte! Gott aber iſt gnädiger, als wir ſündige Menſchen faſſen und begreifen können, denn in die⸗ ſer Stunde nach ſo kurzen Leiden ward mir die Gewißheit, daß mir verziehen ſei; nahm er doch die Befürchtung von mir, daß auch Du, Lisbeth, noch die Strafe meines Ver⸗ gehens tragen ſollteſt! Und daß mir ſolche große Gnade worden, wem danke ich's anders, als ihr, der Seligen, Ver⸗ klärten, ihren Fürbitten am Throne des Ewigen? O, Schwe⸗ ſter, dieſer Gedanke, dieſe Vorſtellung wird mich künftig alle Anfechtungen überwinden und alles Böſe beſiegen laſſen durch das Bewußtſein, von ihr geſehen, von ihr umſchwebt zu ſein. Darum ſei auch Du getroſten Muthes und fürchte nicht, daß ich je wieder dem finſtern Geiſt, einem Zuſtande verfallen werde, der Dich ſo ſehr bekümmert und Dich— ich weiß es wohl— mit ſo quälenden Zweifeln erfüllt hat. Sobald Du des wackeren Boytin anerkannte Tochter biſt, ſollſt auch Du das Geheimniß meiner Schuld erfahren— und meine Schweſter, meine Lisbeth, wird mir dann ſicher⸗ lich verzeihen, wie's ja auch ſchon unſere theure Verklärte droben gethan!
Lisbeth verſchloß ihm den Mund mit Küſſen, und die Geſchwiſter hielten einander in ſo inniger Liebe umſchlun⸗ gen, als hätten ſie ſich nach langer Trennung wiedergefun⸗ den; Peter aber zerbrach ſich vergebens den Kopf darüber, welch Verbrechen Ottokar, der Gute, wohl begangen haben könnte, wenn's nicht das war, was ihn zur Fucht aus


