— Und dennoch mußt Du Dich eheſtens nach einem andern Dienſt umſehen, mein guter Burſche, ſagte Ottokar. Es hat ſich geſtern und heute viel geändert; ich werde Dich nicht lange mehr behalten können.
Peter ließ bei dieſen Worten die Gabel fallen und ſah ſeinen Herrn groß an.
— Ihr ſeid heute Abend ſehr zum Scherzen aufgelegt, Herr Syndikus! meinte er endlich.
— Ich ſcherze nicht, mein Freund, gab Ottokar zur Antwort. Nicht etwa laſſe ich Dich gehen, weil ich unzu⸗ frieden mit Dir wäre, fügte er hinzu; im Gegentheil, ich liebe Dich ob Deiner treuen Anhänglichkeit, und wünſchte wohl, Dich mir als Freund zu erhalten— ſondern weil ich ferner Deine Dienſte nicht mehr werde belohnen können. Mit einem Worte, weil ich binnen zwei Wochen ärmer als Du ſein werde. Doch vielleicht gelingt mir's, Dich bei Herrn Boytin unterzubringen..
— Das kann nicht Euer Ernſt ſein, Herr Syndikus! rief Peter, der bei Ottokars Worten Eſſen und Trinken ver⸗ geſſen. Ihr habt ein feſtes Amt, das Euch ein gutes Ein— kommen gewährt und ſeid ohnehin reich an Geld und Gut.
— Reichthum und Aemter gehören zu den irdiſchen Glücksgütern, die vergänglich ſind. Das Hab und Gut, das Du das meine nennſt, gehört mir ſchon nicht mehr, und das Amt, ſo ich bekleide, wird man mir gewißlich abnehmen.
— Mit Verlaub, Herr Syndikus, das Alles begreife ich nicht, und was ich nicht begreifen kann, das glaube ich nicht! verſetzte Peter kopfſchüttelnd.
— Du wirſt's wohl glauben müſſen, wenn's ſo weit i*ſt, ſprach Ottokar. Doch höre mich, Peter. Ich ſage Dir's darum, damit Du in der Zwiſchenzeit Dir einen anderen Dienſt ſuchen kannſt. Doch mußt Du mir verſprechen, dies bis zu ſeiner Zeit als ein Geheimniß zu bewahren, ins⸗ beſondere aber gegen meine Schweſter Lisbeth davon zu


