Teil eines Werkes 
2. Bd. (1856)
Entstehung
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Die Amerikanerin. 321

Zeit mit ihrem Manne, den ſie auf eine wahrhaft ſchändliche Weiſe peinigte, manchen Kampf beſtanden, doch ertrug er Alles mit einer, mir unbegreiflichen Geduld. Sie ſchlug ihn, ſie biß ihn, ſie verſteckte die Sachen die er brauchte, oder warf ſie gar über Bord, legte ihm die ſchändlichſten Dinge zur Laſt, kurz, betrug ſich auf eine Art, die ihr von jedem Anderen eine äußerſt rohe Behandlung würde zugezogen haben, doch der gute Ehemann ließ Alles über ſich ergehen. Was will ich denn machen? war ſeine Entgegnung auf jeden Rath ſänimtlicher Schiffsmannſchaft, die Alle gern wünſchten, daß die Frau den Lohn für ihr wahrhaft nichts⸗ würdiges Betragen ernten möchte,was will ich denn machen, ich kann ſie doch nicht ſchlagen?

Seine liebe Ehehälfte hatte aber einmal zufälliger Weiſe das Wortſchlagen, obgleich ſie nicht deutſch ſprach, gehört und verſtanden, ſprang wie eine Furie auf ihren ganz verdutzten Mann los und erklärte ihm, die Fauſt unter ſeine Naſe haltend, mit höchſt unzweideutigen Worten, daß ſie ihm, ſobald er nur wage, ſie anzurühren, ein Meſſer zwiſchen die Rippen rennen und die Augen auskratzen wolle.

Wir ſchüchterten ſie übrigens doch ein Bißchen ein, da ihr Beuk erzählte, daß ihr Mann, wenn ſie ihn nicht freund⸗ licher behandele, in Deutſchland das Recht habe, ſie an den Erſten Beſten zu verkaufen, was ich dann natürlich bekräf⸗ tigte. Das machte ſie ſtutzen, und beſonders als wir in Quarantaine lagen, wurde ſie ganz ruhig. Das Herz mochte ihr doch wohl ein wenig pochen, wenn ſie das ihr ſo fremde Leben und Treiben ſah und nun fühlte, wie allein und hilf⸗

Gerſtäcker, Streif⸗ und Jagdzüge. II. 21