Teil eines Werkes 
2. Bd. (1856)
Entstehung
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322 Das Räuchern..

los ſie ohne ihren Mann daſtand. So vergingen 10 Tage, in denen wir nur dann und wann die Schaluppe zu ſehen bekamen, die uns entweder Proviſionen brachte, oder unſere

Briefe abholte. Dieſe wurden aber ebenfalls nicht etwa frei

abgenommen, ſondern mit einer grünlackirten Zange ange⸗ faßt und in einen blechernen, grünlackirten Kaſten, an dem ein grünlackirtes Vorlegeſchloß hing, gethan. Alles war grün, die Ruder, die Bänke, das Boot, die Segelſtangen, die Haken, ganz Bremerhafen ſah grünlackirt aus.

Endlich ſetzte ſich Beuk hin und ſchrieb eine Art Geſuch an den Amtmann in Bremerhafen, uns Paſſagiere wenig⸗ ſtens, da wir doch mit der Ladung ꝛc. nichts weiter zu thun hatten, frei zu geben und an Land zu laſſen. Wider Erwar⸗ ten fiel die Antwort günſtig aus, und ſchon am nächſten Morgen legte ſich ein Bremer Kahn oder Eberführer, ſeligen

Andenkens, an die Seite des Schiffes an, wo die Paſſagiere (ſo lautete der Befehl) mit ihren Sachen erſt privatim ge⸗ räuchert werden ſollten. Es war bitterer Ernſt.

Unſere Kiſten und Koffer wurden in den Kahn geſchafft, ausgepackt und ausgebreitet, dann Alles feſt verſchloſſen, daß der Rauch nicht hinaus konnte, dann ein ſchwarzes Pulver hingeſtellt, das faſt wie Schießpulver ausſah, und in dies eine Flüſſigkeit hineingeſchüttet, die das Innere augenblicklich mit einem fürchterlichen Rauch erfüllte.

Als alles Paſſagiergut durchräuchert war, mußten wir ſelbſt hinunter und uns etwa eine Viertelſtunde in dem ſchändlichen Qualme herumtreiben, der mir noch nach drei

Tagen auf der Bruſt lag.

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