318 Das erſte Land.
kelt, mit allem Zauber des vaterländiſchen Bodens geſchmückt, vor unſeren trunkenen Blicken. Es war ein wundervolles Schauſpiel.
Das Meer war nur leiſe bewegt, und wie weiße Schwäne ſchoſſen Unmaſſen von kleinen, leichten Fiſcherkähnen hin und her, und darüber hinaus ragte Albion, die weißen Küſten vom roſenrothen Schimmer der Abendröthe übergoſſen.
Ich ſtieg hinauf in den Maſtkorb, um ungeſtört zu ſein, und dort hing ich und überſchaute das alte, liebe, ſo lang— erſehnte Europa, das mit ſeinem freundlichſten Lächeln den armen, ſeemüden Wanderer begrüßte. Erſt als tiefe Nacht Alles umſchattet hatte, ſtieg ich wieder auf das Verdeck hinab.
Die Nacht ſollten wir übrigens ein kleines Intermezzo haben. Das Wetter war wundervoll: ich lag auf dem Ver⸗ deck und ſchlief und der Steuermaan hatte die Wacht, als ich plötzlich durch wildes Geſchrei und Stampfen erweckt wurde. Nicht wenig erſchreckt ſprang ich aber in die Höh, denn das Schiff lag ganz auf der Seite, eine Bö heulte durch Maſten und Takelwerk und vorn am Bug praſſelte und brach es, daß ich glaubte die ganzen Maſten ſchlügen uns um den Kopf zuſammen.
Eine Art Wirbelwind mußte uns gefaßt haben, die den Clüverbaum dicht am Bugſpriet abbrach und nach Starbord hinüberwarf, die Oberbramſtenge wie eine Ruthe bog und
einknickte, und das ganze Schiff im wahren Sinne des Worts auf die Seite legte. Glücklicher Weiſe dauerte das Ganze nur wenige Minuten, und der erlittene Schaden wurde am nächſten Morgen wieder ausgebeſſert.


