Teil eines Werkes 
2. Bd. (1856)
Entstehung
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316 Das naſſe Grab.

als ſchwimme er und bemühe ſich, das Schiff mit ſeinen Kameraden wieder zu erreichen, um nicht allein in der ſchauer⸗ lichen Waſſerwüſte zurückgelaſſen zu werden.

Der Mond beſchien hell die flimmernden Wellen, und in dem breiten Licht- und Gluthſtreifen, den er auf dem Waſſer zog, ſahen wir noch lange die dunkele Leiche mit den Wogen ſteigen und fallen.

Schweigend ſchauten wir Alle dem Armen nach und hat⸗ ten wohl Urſache, ängſtlich zu ſein, denn wenn das Sterben ſo fortging, wußten wir nicht, wie bald wir an die Reihe kommen würden. Auch wären wir nach dem Verluſte von noch zwei Matroſen gezwungen geweſen, wieder in irgend einen amerikaniſchen Hafen einzulaufen, da wir das Schiff nicht mehr hätten regieren können. Schon mit zu wenig Leuten waren wir von New⸗Orleans abgefahren, da ſechs deutſche Matroſen dort entlaufen und einer geſtorben war, wofür unſer Capitain nur zwei Amerikaner, einen Franzoſen und einen Italiener wiederbekommen hatte.

Mit der letzten Leiche aber ſchienen beſſere Sonnen für

uns tagen zu wollen. Der Wind drehte ſich ſchon ein Vier⸗ tel 11 Uhr nach Weſten und blies ſcharf und kühl, daß die 1

Segel ſich blähten, und das Schiff ſich unter dem Druck der gewaltigen neigte und hob.

Am nächſten Morgen ließen wir alles Land weit hinter uns und liefen am 9. Auguſt in den atlantiſchen Ocean ein.

Die Kranken beſſerten ſich, und ſchon am 14. Auguſt war Alles geſund und arbeitsfähig.

Das Schiff ſchoß jetzt mit gutem Winde luſtig vorwärts,