j te Ho 231 Die dritte Leiche. 315
Am 7. Auguſt dieſelbe Hitze und derſelbe ſchlechte und ſchwache Wind wie geſtern. Auf dem Verdeck lag der Auf⸗ wärter der Cajüte ſchwer krank, und vorn im Bugſpriet noch
zwei andere Matroſen, ein Italiener und ein Franzoſe.
Ich hatte mich wieder ziemlich erholt und war nur noch etwas ſchwach, jedoch außer aller Gefahr, doch waren wir Alle mißgeſtimmt und niedergeſchlagen; die beiden Sterbe⸗ fälle und die noch forttobende Krankheit machten keineswegs einen günſtigen Eindruck auf uns.
Gegen Abend wurde der arme Teufel kränker und bekam hie und da blaue Flecken am Körper. Der Capitain ließ ihm ein Fußbad von Senf und Waſſer machen; er ſchrie aber fürchterlich, als zwei Matroſen ihm die Füße hineinhielten. Um 8 Uhr fing er an zu phantaſiren und redete von ſeiner Heimath und ſeiner Mutter, dann wurde ihm die Zunge ſchwer, und er fing an zu röcheln; halb 9 Uhr kam das ſichere Todeszeichen, das Blut aus Mund und Naſe, und noch ein⸗ mal ſtreckte er ſich und war nicht mehr.
Um 10 Uhr ſchon mußten ihn die Kameraden, in ſeine Decke genäht, über Bord werfen, weil wir nach kaum andert⸗ halb Stunden den Geruch nicht ertragen konnten.
Leiſe hoben ſie ihn auf das Schiffsgeländer, ſprachen ein kurzes Gebet, und der dumpfe Fall des Körpers in die Fluth unten ſprach ſchaurig das Amen dazu.
Wir hatten keine Steine und Gewichte, um die Füße des Leichnams zu beſchweren, und vom leichten Wellenſchlag ge⸗ hoben, trieb der Körper, an dem das Schiff langſam vor⸗ beiſtrich, auf den ſchaukelnden Wogen. Es ſah faſt aus,


