Teil eines Werkes 
2. Bd. (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

314 Waſſerhoſe. Küſte von Cuba. Todesfälle.

Am Nachmittag deſſelben Tages ſahen wir im Oſten die erſte Waſſerhoſe, die ſich wie ein dünner, ſchwarzer Streifen aus den Wolken in's Waſſer hinabzog; ſie war jedoch weit entfernt, und wir verloren ſie bald aus dem Geſicht.

Am 3. Auguſt ſahen wir Cuba und fuhren, gegen Nachmittag, dicht am Ufer hin, daß wir deutlich die hohen Palmen und verſchiedene Landhäuſer erkennen konnten.

Unſere Matroſen wurden aber jetzt immer bedenklicher krank, und da kein Arzt an Bord war, und wir nur eine Medicinkiſte hatten, mit deren Inhalt kein Menſch recht um⸗ zugehen wußte, war allerdings wenig Hoffnung für die armen Teufel. Es blieb kaum einen Zweifel unterworfen daß ſie, von dem in New⸗Orleans ſchon vor unſerer Abreiſe begonnenen gelben Fieber, den Krankheitsſtoff mit an Bord genommen hatten.

Denſelben Abend ſtarb einer von ihnen, ein Amerikaner, und als er in den letzten Zügen lag, bekam er einen Blut⸗ ſturz aus Mund und Naſe. Es ſah fürchterlich aus. Um drei Viertel auf 9 Uhr ſtarb er, und um 12 Uhr wurde er, ohne weitere Ceremonieen, in Segeltuch eingenäht, über

Bord geworfen. Er fing ſchon an in Verweſung überzugehn.

Am 4. Auguſt fuhren wir an derPan of Matanzas vorbei, mußten aber am Abend, da wir der Küſte zu nahe kamen und keinen günſtigen Wind hatten, wieder laviren und ſteuerten dem feſten Lande von Florida zu.

Am 6. Auguſt war wieder Windſtille, und die Hitze faſt unerträglich. Gegen 11 Uhr Abends ſtarb der zweite Ma⸗ troſe und wurde noch vor Tagesanbruch über Bord geworfen.