300 Das lange Lied. Poſtamt.
bald näſelnder Stimme, nachdem er in drei verſchiedenen Tonarten erſt probirt und in der erſten zu tief, in den beiden anderen bedeutend zu hoch angefangen hatte, das ſchöne Lied: „It is the old ship, o Zion Halleluja*)!“ begann.
Es ſchlug auf der hölzernen Wanduhr ſieben, es ſchlug acht, es war halb neun, und noch immer hatte das unſelige Lied kein Ende, von dem er jeden Vers dreimal wiederholte, und Gott weiß, wie viele es hatte, als er plötzlich aufhörte und ruhig zu M'O. ſagte, daß dieß alle die Verſe wären, die er von dieſem Liede auswendig wüßte. Nachdem der Menſch faſt 3 Stunden geſungen hatte, ſagte er:„er wiſſe die Verſe nicht alle.“
Wir waren ſehr müde geworden, und wie der Braune nur erſt einmal Ruhe gab, ſchliefen wir bald ein. Mit Sonnenaufgang wanderte ich neugeſtärkt dem St. Francis river zu und erreichte Strong's Post office noch vor Sonnen⸗ untergang.
Das war nun zwar ein Poſtamt; aber der Deutſche darf um Gotteswillen kein ſolches Poſtamt darunter verſtehen, wie ſie ſich ſelbſt in den kleinſten Städten Deutſchlands finden.
In den weitläufigen, ſehr wenig angebauten, weſtlichen Staaten würde der Verkehr durch Briefe faſt unmöglich ſein, wären nicht hie und da Farmer, die die Stelle eines Poſt⸗ meiſters übernähmen. Dieſe ſind nun in allen Countys ver⸗ theilt und haben, da der Briefwechſel unbedeutend iſt, nicht
*) Siiſt das alte Schiff, o Zion Hallelujah!


