Seltſame Gewohnheit des Bären. 293
Nur wenige Schritte von unſerem Lager ſtand ein Saſſa⸗ frasbaum, deſſen Rinde, etwa 7 Fuß vom Boden, ganz zer⸗ biſſen und zerkratzt war.
Ich hatte ſchon lange gelegen und ihn beim Scheine des 4 hellauflodernden Feuers betrachtet, als mich P. fragte, ob ich wohl wiſſe warum der Bär, ſo hoch wie er nur reichen könne, die Rinde auf ſolche Art zerkaue. Auf meine Verneinung er⸗ zählte er mir Folgendes. Der Bär, wenn er im Auguſt der Fährte der Bärin nachgeht, ſtreckt ſich auf ſeinem Wege an einem oder vielleicht auch an mehren Bäumen(am lieb⸗ ſten Saſſafras oder Fichte) in die Höhe und beißt, ſo daß ſeine Hintertatzen noch auf der Erde ſtehen, ſo hoch, als er irgend beißen kann, in den Baum, kratzt mit den Tatzen, ſo hoch er kratzen kann, und ſetzt dann ſeinen Weg weiter fort. Nimmt ein anderer Bär die Fährte deſſelben Weibchens auf und findet dieſe Zeichen, ſo richtet er ſich ebenfalls am Baume V in die Höhe und verſucht daſſelbe Experiment. Kann er nun höher einbeißen und höher hinaufkratzen, oder wenigſtens eben ſo hoch als ſein Vorgänger, dann folgt er der Fährte und V verſucht den Kampf; kann er das aber nicht, dann geht er ruhig ſeiner Wege, um eine andere Spur aufzuſuchen.
Die Sache ſchien mir etwas zweifelhaft, doch ließ ſich nicht leicht etwas dagegen einwenden, da ich ſelber ſehr häufig dieſe Merkmale an den Bäumen gefunden habe, und wirklich oft * von zwei verſchiedenen Bären; doch wer kann da ſagen, was der Bär eigentlich denkt, wenn er dieß thut. Wir ſchliefen die Nacht ſehr gut, und die Sonne ſtand ſchon hoch am Him⸗ mel ehe wir wieder marſchfertig waren.
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